Mit Luftdruckwaffe auf Scheibe geschossen – Polizei ermittelt – »Old Brothers—Party in Florstadt geplant
(chh). Neuer Ärger in der Wiesengasse: Am Wochenende haben Unbekannte mit einer Luftdruckwaffe auf ein Fenster geschossen. Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) geht davon aus, dass der Angriff aus dem Umfeld des »Schlitzers« kam, ein von der Polizei der rechtsextremen Szene zugeordneter Get-tenauer. Die Beamten sehen für ein politisches Motiv derzeit jedoch keine Anzeichen. Weiteren Ärger könnte es am Wochenende geben: Die »Old Brothers« wollen eine Party in Florstadt veranstalten.
Nachdem die Staatsanwaltschaft das Haus des »Schlitzers« in diesem Jahr bereits zweimal durchsucht hat, bahnt sich für den Gettenauer Tattoo-Studio-Besitzer neuer Ärger an: Am Wochenende haben Unbekannte mit einer Luftdruckwaffe zweimal auf eine Fensterscheibe geschossen. Laut Pressemitteilung der Antifa-BI liegt das Haus in der Nachbarschaft des Tattoo-Studios. Die Antifa-BI geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Polizeisprecher Jörg Reinemer bestätigt zwar die Schüsse auf das Fenster, sagt jedoch auch: »Anzeichen für einen politischen Hintergrund gibt es derzeit nicht.«
Darüber hinaus wirft die Antifa-BI dem Gettenauer vor, den Sohn einer Nachbarin fast überfahren zu haben. Pressesprecher Reinemer: »Es stimmt, dass uns eine Anzeige vorliegt. Wir ermitteln wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.« Zudem seien Mitglieder der Antifa-BI auf der Friedberger Kaiserstraße vom »Schlitzer« und fünf weiteren »Old Brothers« angepöbelt worden, »Wir kriegen euch«, sollen sie laut Pressemitteilung gerufen haben. Die Antifa-BI nennt das Vorgehen »psychologische Kriegsführung durch Nazis«.
Weiteren Ärger könnte es am kommenden Wochenende in Florstadt geben. Am Samstag soll es eine Party der »Old Brothers« geben. Für die Veranstaltung haben sich bei Facebook über 100 Leute angemeldet, darunter laut Antifa-BI auch örtliche NPD-Größen. »Bierwagen, Zelte und Sitzmöglichkeiten sind wie immer reichlich vorhanden«, heißt es auf der Facebook-Seite. Ob die Party tatsächlich stattfinden wird, ist aber noch unklar. Laut Reinemer prüft die Polizei, ob die Feier rechtlich zulässig ist, »Falls sie stattfinden sollte, werden wir mit Sicherheit vor Ort sein«, sagte der Polizeisprecher.
Auch Florstadts Bürgermeister Herbert Unger weiß von der geplanten Feier: »So etwas ist natürlich nicht erfreulich.« Allerdings betonte Unger auch, dass man nicht alle Besucher über einen Kamm scheren dürfe. »Nicht alle haben die gleiche politische Einstellung wie der Veranstalter.« Die ganze Sache sei grenzwertig, da die Feier wohl auf einem privaten Grundstück stattfinden solle, sie bei Facebook allerdings als öffentliche Veranstaltung eingetragen sei.
Vor rund einem Monat hatte die Staatsanwaltschaft Gießen das Haus des Gettenauer Tattoo-Studio-Besitzers durchsucht. Der Verdacht: Verstoß gegen das Waffengesetz. Es war die zweite Durchsuchung in diesem Jahr, bereits im Januar hatten Beamte wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt. Hintergrund waren sogenannte »Kammerpartys« gewesen, die der damals 25-Jährige veranstaltet haben soll. Laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau seien bei den Partys Duschköpfe an den Wänden montiert gewesen, aus denen weißer Nebel strömte. »Da drängt es sich auf, gegen Volksverhetzung zu ermitteln«, sagte damals Ute Sehlbach-Schellenberg, die Pressesprecherin der Gießener Staatsanwaltschaft.
© Wetterauer Zeitung 18.05.2011