Über Monate hinweg hat sich der Echzeller über „das dumme Geschwätz“ seiner früheren Freunde aufgeregt. Er hat ihre Zeugenaussagen auseinandergenommen und entlarven wollen, dass die, die sich „um mich geschart haben, wie die Motten ums Licht“, aus ihm „den großen Bösen machen, um selbst besser wegzukommen“. Jetzt hat der 27-Jährige selbst den Mund aufgemacht. Viel bringen wird ihm das nicht. Warum sich überhaupt so viele junge Menschen aus der Wetterau um den Mann gedrängt haben, weiß der psychiatrische Gutachter im Prozess am Landgericht: „Renitent, intelligent und immer vorne mit dabei.“
Seit Mitte August muss sich der Mann, der in den vergangenen Jahren als Neonazi und Waffennarr von sich Reden gemacht hatte, vor der Siebten Strafkammer verantworten. Neben Drogenhandel und Verstößen gegen das Waffengesetz werden ihm auch Volksverhetzung und das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen vorgeworfen.
„Wie soll es weitergehen mit den Drogen, mit den Waffen, mit den früheren Bekannten?“, will der Vorsitzende Richter Dr. Dietwin Johannes Steinbach wissen. „Rückzug aus allem und von allen“, sagt der Angeklagte. Er ist überzeugt, dass das ein Leichtes sei, „wenn man sowieso von allen gehasst wird“. Um „den ganzen Scheiß zu beenden“, habe er jetzt auch den Mund aufgemacht. Bestimmt 20 Namen sind am 14. Verhandlungstag gefallen. Und zu jedem Namen der aufs Gramm genaue Amphetaminbedarf.
Zwar würden die Richter am Ende berücksichtigen, dass er jetzt versucht habe, Licht in die Wetterauer Drogenszene zu bringen. Für Aufklärungshilfe, die die Strafe mildert, kämen Namen und Mengenangaben allerdings zu spät, sagt Steinbach. Strafmilderungsgründe psychiatrischer Natur gibt es auch nicht. Trotz regelmäßigen Amphetaminkonsums sei der 27-Jährige nie süchtig gewesen, erklärt der psychiatrische Sachverständige Hans-Herrmann Höll. In den Augen des Arztes ist der Angeklagte „einer, der immer alles unter Kontrolle hatte, eine narzisstische Persönlichkeit“, die an Drogen und Waffen am allermeisten interessiert habe, dass sie sich „eignen, um sich in Szene zu setzten und zu provozieren“.
„Wie soll es weitergehen mit Ihrer politischen Einstellung?“, will Steinbach auch wissen. Der Mann, der in einen Partyraum, an dessen Tür ein Schild mit der Aufschrift „Brausebad“ den Gästen den Weg wies, zu „Gaskammerpartys“ eingeladen haben soll, der NS-Symbole auf seinen Oberarmen tätowiert hat und der in seinem Tattoostudio rund 100 den Holocaust verleugnende Tätowiervorlagen für spezielle Kunden vorrätig hatte, hält die Antwort vage. „Ich bin kein Ausländerhasser, aber an seiner Grundeinstellung kann ein Mensch nichts ändern.“ „Keine feste NS-Ideologie“, sagt auch der Arzt. Tattoos mit NS-Emblemen, Fahnen und T-Shirts, die im Internet zum Verkauf angeboten worden waren, seien mehr „schmückendes Beiwerk eines Narzissten gewesen und wie alles andere auch geeignet, um zu provozieren“.
Der Prozess geht nun dem Ende entgegen. Etliche Punkte der ursprünglich sieben Anklagen werden voraussichtlich eingestellt werden. Das hat Staatsanwältin Yvonne Vockert beantragt. Nicht, weil sie überzeugt wäre, dass es antisemitische Tattoovorlagen nicht gegeben oder dass der Echzeller seinen Nachbarn nicht kaum bekleidet gefilmt und das Video ins Internet gestellt habe. Sondern weil diese mutmaßlichen Taten an der Höhe der Strafe nichts ändern werden. Die richtet sich nämlich vor allem nach den Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz. Am kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt. Voraussichtlich werden Staatsanwaltschaft und Verteidigung dann plädieren.
© Kreis Anzeiger 21.11.2012
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