Archiv der Kategorie: Presseberichte


Bild – Hessens Obernazi in Haft

Von Max Schneider und Peter Jülich

Er ist ein knallharter Neonazi! Ein Rassist der Hemden mit dem Aufdruck „Arier“ trägt. Jetzt sitzt der braune Brandstifter in U-Haft! Hessens führendem Glatzkopf drohen mehrere Jahre Knast: Weil er einen Riesenbatzen Drogen schmuggelte.

Patrick Wolf (25) ist DER Mann fürs Grobe bei den Neonazis. Trägt den Spitznamen „Schlitzer“, weil er schon in der Jugend einen Ausländer mit einem Messer traktiert haben soll. Wolf marschiert auf rechten Demos vorneweg. Züchtet Kampfhunde, betreibt ein Tattoostudio mit Naziversandhandel.

Jetzt wird der 25-Jährige für die nächsten Jahre wohl selbst „abgeschoben“!

Staatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg (Gießen):“Wir werfen dem Beschuldigten vor, dass er Betäubungsmittel in nicht geringer Menge unerlaubt eingeführt hat“. Der rechte Brandstifter ein Drogendealer? Fakt ist: Morgens um 4 Uhr passt ein Polizei-Kommando Patrick Wolf ab. Als er mit seinem Wagen aus Holland zurückkehrt, stürzen sich 20  Zivilbeamte auf das Fahrzeug: Polizei, Hände hoch! Im Wagen 4500 Gramm Amphetamin („Speed“), 600 Gramm Marihuana.

Wolf sitzt in U-Haft – und schweigt! Der Einfuhrschmuggel „kostet“ ihn bei Verurteilung mindestens 2 Jahre Haft. Weil der Neonazi-Schläger noch unter Bewährung stand, dürfte diese jetzt widerrufen und auf die Gesamtstrafe obendrauf geschlagen werden…

© BILD 12.07.2011 


Wetterauer Zeitung – Verdacht auf Drogendeal: »Schlitzer« verhaftet

25-Jähriger soll 4,5 Kilo Amphetamin und 600 Gramm Marihuana ins Land eingeführt haben — Zugriff gestern Morgen

(dab). Der sogenannte Schlitzer ist gestern Morgen festgenommen worden und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Der polizeibekannte Rechtsextreme, wegen dem es in der Vergangenheit häufig Ärger in der Wiesengasse gegeben hat, soll gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben. Ihm wird vorgeworfen, illegal Drogen nach Deutschland eingeführt zu haben, um damit zu handeln. Konkret geht es um 4,5 Kilogramm Am phetamin und rund 600 Gramm Marihuana. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dürfte der 25-Jährige die nächste Zeit hinter Gittern verbringen: Die Mindeststrafe sieht zwei Jahre Gefängnis vor. Der Gettenauer ist zudem noch auf Bewährung, nachdem er im September wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden war. Weitere Verfahren gegen ihn sind noch nicht abgeschlossen. Außer ihm wurde gestern auch ein 21-Jähriger festgenommen.

Um kurz nach 4 Uhr am Morgen wurden die Nachbarn in der Wiesengasse aus dem Schlaf gerissen. »Es gab einen Riesenschlag und Geschrei«, erzählte eine Anwohnerin der Wetterauer Zeitung. Zunächst hätten sie und ihr Mann sich gesorgt, dass aus dem Haus des ungeliebten Nachbarn wieder Ungemach droht. Beim Blick aus dem Fenster hätten sie nur gesehen, dass das Hoftor aufstand. »Da haben wir noch nicht realisiert, dass das was mit der Polizei zu tun hat.« Denn die meisten der 15 bis 20 Einsatzkräfte, die sich wohl gerade auf den Weg zum Zugriff und zur anschließenden Hausdurchsuchung machten, seien in Zivil unterwegs gewesen. Doch dann sei ein Ruf zu hören gewesen, der für Klarheit sorgte: »Polizei, Hände hoch.«

Kurz darauf sei ein Mann festgenommen worden, später noch ein zweiter. Es mag der Dunkelheit des frühen Morgens geschuldet sein, dass keiner der Anwohner unter ihnen den »Schlitzer« erkannte. Er sitzt mittlerweile, nachdem er gestern Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt wurde, in Untersuchungshaft. Bei dem anderen Mann handelt es sich um einen 21-Jährigen aus dem Kreis Limburg-Weilburg. Bei ihm werde heute entschieden, ob auch er in Haft komme, sagte Ute Sehlbach-Schellenberg, Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Gießen. Die Frau des 25-Jährigen wurde ebenfalls vorläufig festgenommen, nach der Vernehmung jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Zugriff erfolgte, als der »Schlitzer« von seiner mutmaßlichen Drogenfahrt gerade nach Hause kam. »Er wurde auf frischer Tat ertappt«, berichtete Sehlbach-Schellenberg. Der 25-Jährige habe die Drogen noch im Rücksack gehabt. Nach derzeitigem Er-mittlungsstand gehen die Beamten davon aus, dass der Mann sich die Betäubungsmittel in den Niederlanden beschafft hat. Die Mengen deuten darauf hin, dass er damit handeln wollte. »Das fällt nicht mehr unter Eigenbedarf«, sagte Sehlbach-Schellenberg. Wegen des dringenden Tatverdachts des unerlaubten Einführens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sei denn auch Haftbefehl ergangen.

Sowohl der »Schlitzer« als auch der 21-Jährige sind laut Polizei und Staatsanwaltschaft »wegen verschiedener Rauschgiftdelikte bereits polizeilich bekannt«. Außer den Drogen fanden die Fahnder im Haus des 25-Jährigen Bargeld, das sichergestellt wurde. Zur Höhe konnte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen.

Während des Polizeieinsatzes in Gettenau, der bis etwa 7.15 Uhr dauerte, sei ein reges Kommen und Gehen zu beobachten gewesen, berichteten die Nachbarn. Nach und nach seien die Rollläden hochgezogen worden, und man habe Menschen mit Handschuhen im Haus arbeiten sehen. Einige Ermittler hätten Gegenstände aus der Hofreite getragen, unter anderem in einem großen blauen Sack. »Das sah nach technischem Gerät aus«, erzählte eine Anwohnerin. Sie befürchtet, dass auch ein Richtmikrofon unter den beschlagnahmten Sachen war. Damit, vermutet sie, habe der »Schlitzer« die Nachbarn abgehört.

Die Anwohner fürchten Konsequenzen nach dem polizeilichen Zugriff.  »Hoffentlich schiebt er uns das nicht wieder in die Schuhe«, sagte eine Frau der WZ. Das Haus des »Schlitzers« war im Januar bereits wegen des Verdachts der Volksverhetzung untersucht worden. Im April stellten die Beamten die Hofreite auf den Kopf, weil der Mann gegen das Waffengesetz verstoßen haben soll. Kurz darauf wurde mit einer Luftdruckwaffe auf das Fenster eines Nachbarn geschossen; außerdem steht der Vorwurf im Raum, der Gettenauer habe den Sohn einer Nachbarin fast überfahren.

Was den Lärmpegel angeht, sei es in letzter Zeit allerdings »sehr, sehr leise« auf der Hofreite geworden, sagte eine Anwohnerin. »Seit einem halben bis dreiviertel Jahr bekommen wir so gut wie nichts mehr mit.« Sie vermutet, die erhöhte Polizeipräsenz habe zu mehr Vorsicht beim »Schlitzer« geführt. Doch offensichtlich war er nicht vorsichtig genug. Denn sollten die Ermittlungen ergeben, dass der 25-Jährige tatsächlich in Drogengeschäfte verwickelt ist, erwartet ihn eine Mindeststrafe von zwei Jahren. »Er muss bei einer Verurteilung mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe rechnen«, sagte Ute Sehlbach-Schellenberg von der Staatsanwaltschaft Gießen. Außerdem könne die Bewährungsstrafe vom September widerrufen werde.  

© Wetterauer Zeitung 08.07.2011

HR Online – Neonazi wegen Drogen verhaftet

In Echzell ist ein polizeibekannter Rechtsextremer festgenommen worden. Die Polizei fand bei ihm kiloweise Drogen. Der Mann muss mit einer „empfindlichen Strafe“ rechnen, so die Staatsanwaltschaft.

Drogenfahnder fanden bei dem 25-Jährigen rund vier Kilogramm Amphetamin, 600 Gramm Marihuana und Bargeld, berichtete die Polizei. Geld und Drogen seien sichergestellt worden. Neben dem 25-Jährigen wurde auch ein 21 Jahre alter Mann aus dem Kreis Limburg-Weilburg festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft Gießen bestätigte der „Wetterauer Zeitung“, dass es sich bei dem 25-Jährigen um den polizeibekannten Neonazi Patrick W. handelt. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und müsse mit einer „empfindlichen Strafe“ rechnen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ute Sehlbach-Schellenberg.

Nach Informationen der Zeitung wurde gegen den Mann unter anderem schon wegen unerlaubten Waffenbesitzes ermittelt. Außerdem sei er noch auf Bewährung, nachdem er im September 2010 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden war.

Video zeigt Neonazi-Übergriff

W. soll auch an einem Übergriff von Neonazis auf einen 58-Jährigen beteiligt gewesen sein. Die Attacke vor rund einem Jahr war als Video per Youtube verbreitet worden. Es zeigt, wie mehrere Anhänger der rechten Szene in Echzell den Anwohner angreifen und ihm die Hose vom Leib reißen. Begleitet wird der Film von hämischen Kommentaren. Der eingeschüchterte Mann flüchtet auf dem Video halbnackt in sein Haus.

Bei dem Übergriff wurde der 58-Jährige am Kopf und am Rücken verletzt. Er ist Mitglied einer Bürgerinitiative, die sich gegen Rechtsextremismus in Echtzell engagiert und von der Gemeinde unterstützt wird.  

© Hessischer Rundfunk 2011

 

 

*Um den Pressebericht ansehen zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.

Frankfurter Rundschau – Neonazi in Haft

„Schlitzer“ soll mit Rauschgift handeln

Bei einer Razzia werden die Beamten fündig: Vier Kilogramm Amphetamine und 600 Gramm Marihuana entdecken sie in der Hofreite des Rechtsextremen Patrick W. in Echzell. Jetzt sitzt der 25-Jährige in Untersuchungshaft.

Der Rechtsextreme Patrick W. , der sich selbst „Schlitzer“ nennt, sitzt in Untersuchungshaft wegen des Verdachtes, Betäubungsmittel unerlaubt eingeführt zu haben. Bei einer Razzia am frühen Mittwochmorgen in W.s Hofreite in Echzell wurden vier Kilogramm Amphetamin und 600 Gramm Marihuana sowie Bargeld sichergestellt. Das teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Gießen, Ute Sehlbach-Schellenberg mit.

Mit Patrick W. wurde ein 21-Jähriger aus dem Kreis Limburg-Weilburg festgenommen. Beide sind laut Sehlbach-Schellenberg der Polizei bereits wegen Rauschgiftdelikten bekannt.

Der Verdacht, dass sich beim „Schlitzer“ rechtsextremes und kriminelles Milieu mischen, habe sich damit bestätigt, sagt Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau (Antifa-BI). Der Drogenhandel sei nur „die Spitze des Eisbergs“.

Unter der Bezeichnung „Old Brothers“ betreibt der 25-jährige W. ein Tätowierstudio, einen Sicherheitsdienst und einen Textilhandel. Die Polizei hat die Hofreite mehrfach durchsucht: im Januar wegen des Verdachtes der Volksverhetzung, weil der Neonazi dort eine Bar betreiben soll, die an die Gaskammern der Nationalsozialisten erinnert. Im April suchten Beamte nach Waffen. (ieb)

© Frankfurter Rundschau 2011

 

 

*Um den Pressebericht ansehen zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.

Frankfurter Neue Presse – „Wir sind wachsam“

Widerstand gegen Rechts

Von Georgia Lori

In der Wiesengasse ist es still geworden. Um das Haus Nummer sechs, wo sich der Rechtsextreme mit seiner Gruppe „Old Brothers“ niedergelassen hatte, machen die Anwohner einen großen Bogen. Schräg gegenüber hängt ein Plakat, das zum Festival „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ einlädt.

Aus der im Februar 2010 gegründeten Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“, die das Festival im vergangenen Jahr erstmals organisierte, ist inzwischen ein Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins geworden. Der richtete sich mit der zweiten Festival- Auflage auf dem Sportgelände in Echzell-Gettenau nicht allein gegen Rechte in Echzell, sondern in der gesamten Wetterau.

In der 6000-Einwohner-Gemeinde gehen auch ohne den Leitwolf der Gruppe intern die Aktivitäten der Rechten weiter. „Seit der in Untersuchungshaft sitzt, wurde jedoch kein einziger Fall mehr wegen rechtsextremer Bedrohung angezeigt“, sagte Polizeihauptkommissar Holger Götzmann vom Polizeipräsidium Mittelhessen, der mit fünf weiteren Kollegen Hintergrunddienst verrichtete.

Dieses Mal blieb die Veranstaltung friedlich. Im vergangenen Jahr hatte es eine Demonstration rechter Gruppierungen gegeben. „Wir sind wachsam. Demokratie ist und bleibt nicht selbstverständlich“, so der Vereinsvize Manfred Linss.

Einzigartig in Deutschland empfindet der Echzeller Bürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung, Dieter Müller (SPD), dass die vier Kommunen Echzell, Reichelsheim, Florstadt und Wölfersheim mit zusammen 30 000 Einwohnern Mitglied des Vereins „Grätsche gegen Rechtsaußen“ sind. Das Festival organisierte der Verein gemeinsam mit der Gemeinde Echzell, der Sportjugend Hessen, dem Beratungsnetzwerk Hessen und mit finanziellen Mitteln aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“.

© Frankfurter Neue Presse 2011

 

 

*Um den Pressebericht ansehen zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.

Wetterauer Zeitung – 10000 Euro für »Heimliche Helden« der Wetterau

Volksbank fördert 70 gemeinnützige Einrichtungen in Mittelhessen mit jeweils 1000 Euro — Ehrung in Gießen

(hed/pm). Fördergelder und Ehrenpreise im Wert von 70000 Euro hat die Volksbank Mittelhessen gestern an die Gewinner des Förderwettbewerbs »Heimliche Helden« übergeben. 70 gemeinnützige Einrichtungen hatten ihre persönlichen Helden nomi-niert und Bewerbungen eingereicht. Vorstand Volker Remmele be-grüßte mehr als 200 Gäste zur Ehrung in Gießen. Auch zehn »Heim-liche Helden« aus der Wetterau kommen in den Genuss von jeweils 1000 Euro Förderung, vier wurden persönlich ausgezeichnet. 

Für den Steinfurther Jochen Rolle war es ein besonderer Tag. Er gehörte zu den Vertretern der 70 Vereine und Einrichtungen, die von der Volksbank als »Heimliche Helden« geehrt wurden. Rolle, selbst Vater eines behinderten Kindes, kümmert sich seit Jahren in der Lebenshilfe Wetterau um die Integration von Behinderten in die Gesellschaft. Er war maßgeblich an der Gründung der integrativen Sophie-Scholl-Schule in Bad Nauheim beteiligt und veranstaltet regelmäßig Aktionen – zum Beispiel Benefizläufe, um Geld für die Schule zu sammeln. Nun kommen 1000 Euro hinzu.

Auch Olivia Bickerle von der »Grätsche gegen Rechtsaußen«, die sich in Echzell gegen immer lauter werdende rechtsextreme Parolen wendet, kann das Geld nutzen, um das nächste Festival gegen Rechts zu organisieren. Gottfried Haas vom Förderverein der Eichendorff-Schule Ilbenstadt steckt die Kohle wohl in die Erde: Er betreut die AGs »Holzwürmer« und »Gartenzwerge«, in denen Kindern gezeigt wird, wie man mit Pflanzen und Holz umgeht. Bei den Schülern ist »Opa Haas« sehr beliebt.

Ob das auch für Thorsten Fiala gilt? Schließlich scheucht er die Kids als Jugendtrainer vom Kultur- und Sportverein Berstadt auch gerne über den Platz – für die Kondition. Außerdem führt er Rauchfrei-Projekte oder auch Ernährungstage durch, an denen die Kids gesundes Essen und keine Burger mit Pommes vorgesetzt bekommen. Sechs weitere »Heimliche Helden« aus der Wetterau werden demnächst einen Scheck bekommen: Sara Thomas (Förderverein der Wölfersheimer Schulen), Ulrich Schultheis (Sportgemeinschaft Bauernheim), Christoph Könitzer (Gesangverein Eintracht Wölfers-heim), Marlies Krell-Moder (DLRG Bad Nauheim), Wolfgang Rieß (Frei-weg Wölfersheim) und Manuela Voß (Tanzsportclub Nid-datal).

»Sie alle leisten Außergewöhnliches«. Sie alle gehörten zu den Menschen, die sich ganz selbstverständlich für andere einsetzten, sagte Remmele bei der Siegerehrung. Sie engagierten sich sozial, mischten sich ein und leisteten Außergewöhnliches. »Sie kümmern sich um bettlägerige Menschen, führen die Hunde des Tierheims aus oder leiten seit Jahren die Jugendarbeit im Sportverein.«

Um das Engagement dieser Menschen zu würdigen, habe die Volksbank den Förderwettbewerb ausgeschrieben. Gemeinnützige Organisationen waren aufgerufen, einen Menschen, der sich in ihrer Mitte besonders engagiert, zu nominieren und die Geschichte ihres »Heimlichen Helden« zu erzählen.

Begleitet wurde die Siegerehrung durch die amtierenden Deutschen Meister der Mentalmagie »Timothy Trust 8z Diamond« aus Berlin. 25 der 70 Preisträger hatten die Jury mit ihrer Geschichte besonders beeindruckt. Sie erhielten als Dankeschön wahlweise einen Gutschein über ein Wellness-Wochenende oder eine Karte für eine Galashow in der Alte Oper Frankfurt. 

© Wetterauer Zeitung 26.05.2011

 

Wetterauer Zeitung – »Psychologische Kriegsführung durch Nazis«

Mit Luftdruckwaffe auf Scheibe geschossen – Polizei ermittelt – »Old Brothers—Party in Florstadt geplant

(chh). Neuer Ärger in der Wiesengasse: Am Wochenende haben Unbekannte mit einer Luftdruckwaffe auf ein Fenster geschossen. Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) geht davon aus, dass der Angriff aus dem Umfeld des »Schlitzers« kam, ein von der Polizei der rechtsextremen Szene zugeordneter Get-tenauer. Die Beamten sehen für ein politisches Motiv derzeit jedoch keine Anzeichen. Weiteren Ärger könnte es am Wochenende geben: Die »Old Brothers« wollen eine Party in Florstadt veranstalten. 

Nachdem die Staatsanwaltschaft das Haus des »Schlitzers« in diesem Jahr bereits zweimal durchsucht hat, bahnt sich für den Gettenauer Tattoo-Studio-Besitzer neuer Ärger an: Am Wochenende haben Unbekannte mit einer Luftdruckwaffe zweimal auf eine Fensterscheibe geschossen. Laut Pressemitteilung der Antifa-BI liegt das Haus in der Nachbarschaft des Tattoo-Studios. Die Antifa-BI geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Polizeisprecher Jörg Reinemer bestätigt zwar die Schüsse auf das Fenster, sagt jedoch auch: »Anzeichen für einen politischen Hintergrund gibt es derzeit nicht.«

Darüber hinaus wirft die Antifa-BI dem Gettenauer vor, den Sohn einer Nachbarin fast überfahren zu haben. Pressesprecher Reinemer: »Es stimmt, dass uns eine Anzeige vorliegt. Wir ermitteln wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.« Zudem seien Mitglieder der Antifa-BI auf der Friedberger Kaiserstraße vom »Schlitzer« und fünf weiteren »Old Brothers« angepöbelt worden, »Wir kriegen euch«, sollen sie laut Pressemitteilung gerufen haben. Die Antifa-BI nennt das Vorgehen »psychologische Kriegsführung durch Nazis«.

Weiteren Ärger könnte es am kommenden Wochenende in Florstadt geben. Am Samstag soll es eine Party der »Old Brothers« geben. Für die Veranstaltung haben sich bei Facebook über 100 Leute angemeldet, darunter laut Antifa-BI auch örtliche NPD-Größen. »Bierwagen, Zelte und Sitzmöglichkeiten sind wie immer reichlich vorhanden«, heißt es auf der Facebook-Seite. Ob die Party tatsächlich stattfinden wird, ist aber noch unklar. Laut Reinemer prüft die Polizei, ob die Feier rechtlich zulässig ist, »Falls sie stattfinden sollte, werden wir mit Sicherheit vor Ort sein«, sagte der Polizeisprecher.

Auch Florstadts Bürgermeister Herbert Unger weiß von der geplanten Feier: »So etwas ist natürlich nicht erfreulich.« Allerdings betonte Unger auch, dass man nicht alle Besucher über einen Kamm scheren dürfe. »Nicht alle haben die gleiche politische Einstellung wie der Veranstalter.« Die ganze Sache sei grenzwertig, da die Feier wohl auf einem privaten Grundstück stattfinden solle, sie bei Facebook allerdings als öffentliche Veranstaltung eingetragen sei.

Vor rund einem Monat hatte die Staatsanwaltschaft Gießen das Haus des Gettenauer Tattoo-Studio-Besitzers durchsucht. Der Verdacht: Verstoß gegen das Waffengesetz. Es war die zweite Durchsuchung in diesem Jahr, bereits im Januar hatten Beamte wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt. Hintergrund waren sogenannte »Kammerpartys« gewesen, die der damals 25-Jährige veranstaltet haben soll. Laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau seien bei den Partys Duschköpfe an den Wänden montiert gewesen, aus denen weißer Nebel strömte. »Da drängt es sich auf, gegen Volksverhetzung zu ermitteln«, sagte damals Ute Sehlbach-Schellenberg, die Pressesprecherin der Gießener Staatsanwaltschaft. 

© Wetterauer Zeitung 18.05.2011

 

Frankfurter Rundschau – Rechtsextreme verbreiten Schrecken

Echzell Schüsse aus Luftdruckwaffe / Aufklärungsprogramm startet im Sommer

Von Bruno Rieb 

Die Anwohner der Wiesengasse in Echzell-Gettenau kommen nicht zur Ruhe, seit sich der rechtsextreme „Schlitzer“ mit seinen „Old Brothers“ dort niedergelassen hat. In der Nacht zu Sonntag wurde das Haus eines Nachbarn beschossen, der sich gegen die Rechtsextremen engagiert. Es sei „zweimal mit einer Luftdruck-waffe auf eine Fensterscheibe geschossen“ worden, berichtet Polizeisprecher Jörg Reinemer. Politischen Hintergrund für die Tat sieht die Polizei bislang keinen.

Eine Anwohnerin, die sich gegen die Rechtsextremen in der Straße engagiert, berichtet, dass der „Schlitzer“ versucht habe , mit seinem Auto ihren Sohn zu überfahren.

Die Antifaschistische Bildungs-initiative Wetterau (Antifa-BI) sieht in dem Vorgehen der Rechtsextremen eine „psychologische Kriegsführung“. „Viele Leute lassen sich von dem braunen Terror einschüchtern, da sie nicht über eine Drohkulisse wie die Neonazis verfügen und sich an die geltenden Gesetze halten und auf den Rechtsstaat hoffen“, sagt Andreas Baiser von der Antifa-BI.

Sorgen bereitet den Wiesengassen-Anwohnern eine Party, die die Rechtsextremen am kommenden Samstag, 21. Mai, im nahen Florstädter Stadtteil Mockstadt feiern wollen, „Old Brothers Summer Start Up“ genannt. „Bierwagen, Zelte und Sitzmöglichkeiten sind wie immer reichlich vorhanden“, werben die Rechtsextremen. Beim Feiern wollen sie nicht fotografiert werden: „Wir bitten nochmals darum, während unserer Partys keinerlei Lichtbilder zu machen“. Die Polizei wisse von der Veranstaltung und habe ein Auge darauf, sagt Reinemer.

Einen Erfolg kann der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ vermelden, der sich in Echzell gegen die Rechtsextremen formiert hat. 270 000 Euro Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“ fließen nach Echzell und umliegende Gemeinden, berichtet Grätsche-Vorsitzende Olivia Bickerle.

Für das drei Jahre währende Förderprogramm können sich Vereine mit ihren Projekten bewerben. Das Themenspektrum kann breitgefächert sein, von der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Symbolen bis zur Integration, sagt Bickerle.

Am 6. August soll es wieder ein Festival gegen Rechtsaußen in Echzell geben. Vor einem Jahr hatte die Grätsche damit ein beeindruckendes Zeichen gegen die rechtsextremen Umtriebe gesetzt. Viele örtliche Vereine hatten sich beteiligt und rund 900 Besucher waren damals gekommen.

© Frankfurter Rundschau 2011

Wetterauer Zeitung – Umstrittenes Tattoo-Studio doch eröffnet

Bürgermeister: Mietvertrag hat sich nicht auflösen lassen — Anwalt des »Schlitzers« wünscht sich mehr Gelassenheit

(sax/dab). Trotz der Intervention von Ortsvorsteher Robert Preusser ist gestern das umstrittene Tattoo-Studio in Düdelsheim eröffnet worden. Bürgermeister Erich Spamer berichtete, einer der Eigentümer des Geschäfts habe ihm mitgeteilt, dass der Mietvertrag sich nicht habe auflösen lassen. Gemietet hat den jahrelang leerstehenden Laden ein 25-Jähriger aus Gettenau, der von der Polizei als rechtsextrem eingestuft wird. Sein Szenename: »Schlitzer«.

Die Ansiedlung des Tätowierladens war vor allem wegen der Ereignisse in dessen Umfeld in die Diskussion geraten. In Gettenau, wo der junge Mann auf seinem eigenen Hof ein Tattoo-Studio betreibt und auch lebt, sind der 25-Jährige und seine Besucher schon mehrfach mit der Nachbarschaft aneinandergeraten. Die Ereignisse hatten letztlich dazu geführt, dass sich die Bürgerinitiative »Grätsche gegen Rechtsaußen« gründete, die inzwischen ein Verein ist. Jüngst wurde der »Schlitzer« wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt; außerdem wird gegen ihn wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt. Obwohl die Polizei den Gettenauer dem rechtsextremen Spektrum zuordnet, sieht sie hinter der Körperverletzung keinen politischen Hintergrund. Der Vorfall sei vielmehr ein Streit unter Nachbarn gewesen. Auf der anderen Seite bereitet das Umfeld des. Tattoo-Studios den Beamten durchaus Sorge. Der Gettenauer selbst sei wiederholt wegen Körperverletzungen aufgefallen. Auch Ruhestörungen und Auseinandersetzungen mit den Nachbarn habe es gegeben.

»Die Polizei gießt Benzin ins Feuer«

»Das finde ich von der Polizei Benzin ins Feuer gegossen«, nimmt der Anwalt des »Schlitzers«, Jürgen Häller, seinen Mandanten in Schutz. »Wie lange soll sich einer zur Verantwortung ziehen lassen?« Der 25-Jährige habe ihm berichtet, sowohl in Gettenau als auch zuvor in Wölfersheim habe er seine Tätowierläden ohne Beanstandungen betrieben. »Aus der Vergangenheit gibt es nach meinem Kenntnisstand keinen Hinweis darauf, dass der Tattoo-Laden Ausgang für eine Auseinandersetzung war«, erklärt Häller. »Mein Mandant wird alles versuchen, in Düdelsheim ein angenehmes Klima der Nachbarschaft aufzubauen«.

Daran zweifelt die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI). »Das ist in unseren Augen eine tickende Zeitbombe«, kommentiert ein Mitglied die unmittelbare Nachbarschaft des Tattoo-Studios zu einem Döner-Imbiss und einer Kampfsport-Schule. Die Ansiedlung des Gettenauers in Düdelsheim sieht er als Teil einer Entwicklung, die sich schon länger vollzieht. »Was wir hier mit Erschrecken feststellen, ist, dass wir ein riesiges rechtsextremes Netzwerk in der Wetterau haben.«

Büdingen nehme dabei eine Schlüsselrolle ein. Es entwickele sich »zum organisatorischen Zentrum der NPD in der Wetterau«, erklärt der Vertreter der Antifa-BI. Das belege die Ansiedlung führender Köpfe der Partei, wie deren Landesgeschäftsführer, des Stadtverordneten Daniel Lachmann. Auch die NPD-Veranstaltung im Januar und die Vorfälle, die sie begleiteten, seien Zeichen dieses Netzwerks. Mehrfach seien Mitglieder des Stammtischs des »Schlitzers« durch die Stadt gefahren und hätten den Hitlergruß gezeigt. Schließlich seien sie festgenommen worden. Dem 25-Jährigen dürfte der Vergleich wohl nicht gefallen: im Gespräch mit der WZ hatte er sich vor geraumer Zeit deutlich von der NPD distanziert.

Anwalt Häller stellt die Geschäftseröffnung seines Mandanten als Versuch dar, eine Existenz zu gründen und sein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. In der Vergangenheit sei ihm dies nicht gelungen, da der ‚politische Druck auf die Vermieter dazu geführt habe, dass Verträge gekündigt wurden. Auch ihm als Anwalt sei es nicht gelungen, eine Vermittlung zu erreichen.

Auch in Düdelsheim sei man dafür nicht aufgeschlossen gewesen. »Ich habe der Gegenseite Gespräche angeboten«, berichtet Häller, »ich will Ihnen gar nicht sagen, was für Briefe ich bekommen habe.« Trotz der Ablehnung sei der Mietvertrag aber in Kraft getreten, sein Mandant habe seine Verpflichtungen erfüllt. »Ich denke, man sollte es einfach mal beobachten«, wünscht sich Häller mehr Gelassenheit.

»Bei Beschwerden schauen wir verstärkt hin«

Dafür, dass der »Schlitzer« seine Kunden nicht nur im rechtsextremen Spektrum sucht, spricht die Gestaltung des Ladens mit zwei großen Schaufenstern. Dahinter sind vor allem weiße Wände und eine Theke zu sehen. An einer Wand steht in großen violetten Buchstaben »Crazy Paint« mit einem großen Farbklecks.

Bei der Eröffnung waren gestern Mittag rund zehn, meist jugendliche Gäste in dem Tattoo-Studio. Den Frisuren und der Kleidung nach zu urteilen, sind sie dem bisherigen Umfeld des Gettenauers zuzurechnen. »Ich bin gespannt, was da passiert«, sagt Bürgermeister Spamer. Besondere Maßnahmen gebe es jedoch nicht. »Ich darf ihn nicht anders behandeln als andere auch«, betont er. Aber »wenn Beschwerden kommen, werden wir da verstärkt hingucken«. 

© Wetterauer Zeitung 05.02.2011

 

Wetterauer Zeitung – Auch Echzell ist jetzt Mitglied im Verein »Grätsche gegen Rechts«

(dab). Nachdem die Kommunen Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheirn der »Grätsche gegen Rechtsaußen« bereits beigetreten sind, will nun auch Echzell Mitglied in dem Verein werden, der seinen Sitz in der Gemeinde hat. Das haben die Gemeindevertreter am Montag einstimmig beschlossen.

Die Koalition hatte einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag gestellt, dessen Inhalt Grünen-Fraktionsvorsitzende Barbara Henrich erläuterte. Der Beitritt sei »ein starkes Zeichen gegen rechtsextreme Entwicklungen« in der Gemeinde. Die Förderung des demokratischen Bewusstseins könne nur gemeinsam gelingen. Bestes Beispiel sei das Festival gegen Rechtsaußen im Sommer 2010. »Ein öffentliches Bekenntnis für Demokratie, Solidarität und Toleranz entwickelt sinnvollen Widerstand gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung.«

Dem stimmte die SPD-Fraktion ohne Aussprache zu. 

© Wetterauer Zeitung 02.02.2011