Archiv der Kategorie: Presseberichte


Kreis-Anzeiger – Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ erhält Förderpreis

(red/jmk). Der Echzeller Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ wurde jetzt vom Hessichen Jugendring mit dem Innovationsförderpreis „best2011“ ausgezeichnet. Mit dem Projekt „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“, einem Festival mit Sport und Musik gegen Rechtsextremismus, belegte der Verein den vierten Platz in der Kategorie „Allgemeiner Preis“. Insgesamt waren mehr als 40 Projekte bei „best2011“ im Rennen.

„Wir wollen das Thema und den Verein bekannt machen. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Manfred Linss. Der Verein hatte das Festival mit Unterstützung der Sportjugend Hessen im August veranstaltet und sich schließlich mit dem Konzept beim Hessischen Jugendring beworben. „Die Beiträge zum Förderpreis zeigen die Innovationsfähigkeit der Verbände, die sich in Aktionen und Projekten immer wieder neu erfinden und so zukunftsfähig bleiben“, erklärte Klaus Bechtold, stellvertretender Vorsitzender des Jugendrings.

Die Gewinner wurden von einer Jury gekürt, in der unter anderem der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner und die jugendpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen sitzen. Grüttner sagte: „Nicht selten werden Projekte verwirklicht und Angebote gemacht, die bis weit in die Gesellschaft hinein ihre Wirkung entfalten.“ Der Preis wird seit 2003 jährlich in den Kategorien „Thematischer Preis“ und „Allgemeiner Preis“ verliehen; die Gewinner bekommen finanzielle Unterstützung und nützliche Materialien für die Jugendarbeit. „Der Preis selbst spielt für uns nur eine untergeordnete Rolle“, erklärte Linss. Viel wichtiger sei die Möglichkeit, die Öffentlichkeit zu erreichen. „Als wir uns angemeldet haben, war das Thema noch nicht so aktuell wie jetzt. Deshalb ist es gut, dass wir mitgemacht haben und Kontakte vor allem zu Mitgliedern der Landesregierung knüpfen konnten.“

Der Verein war 2010 aus einer Bürgerinitiative hervorgegangen, die als Antwort auf Übergriffe und Provokationen einer rechtsextremen Gruppe in Echzell gegründet worden war. Die Mitglieder wollen ein Bildungs- und Freizeitangebot schaffen, Aufklärung leisten und den Dialog zwischen Bürgern und Gemeinden fördern. „Wir müssen das Thema weiter bekannt machen und die Menschen sensibilisieren. Wir sind mehr denn je gefordert“, sagte Manfred Linss.  

© Frankfurter Rundschau 2011

 

 

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Frankfurter Neue Presse – Brauner Ärger vor der Tür

Bürger wehren sich gegen Neonazis

Von Carolin Eckenfels 

Die Lust auf Weihnachtsschmuck ist der Bewohnerin der Echzeller Wiesengasse vergangen. Wegen der Neonazis. Ihr Nachbar ist ein Anhänger der rechten Szene und sorgt schon länger für Unfrieden in der Straße, die mit ihren Fachwerkhäusern eine nette Wohngegend sein könnte. Für die Anrainer hätte es eine ruhige Adventszeit werden können, wenn der Mann nicht aus der U-Haft entlassen worden wäre – ausgerechnet in den Tagen, als das Thema Rechtsextremismus ganz Deutschland aufschreckte. „Da fühlt man sich schon alleine gelassen“, sagt die Nachbarin, für die Lichterglanz im Fenster und braunes Treiben vor der Tür nicht zusammenpassen.

1450 Rechtsextremisten in Hessen

Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass es 1450 Rechtsextremisten in Hessen gibt. Experten nennen als einen Schwerpunkt der Rechten in Hessen den Wetteraukreis. Dort liegt auch Echzell. Viele Aktivitäten gehen von dem Anhänger aus der Wiesengasse und seiner Clique aus, wie Lisa Gnadl, SPD-Landtagsabgeordnete für die Wetterau, berichtet. „Neben dieser Szene gibt es eine Reihe von NPD-Schwerpunkten vor allem in der östlichen Wetterau.“ Im Kreistag sitzen zwei NPD-Vertreter.

„Für die Region heißt das, dass wir eine starke Vernetzung aller Demokraten brauchen, eine gute Aufklärungsund Bildungsarbeit, eine ständige Beobachtung der rechten Szene und ein Frühwarnsystem, damit Rechtsextreme zum Beispiel keine Räume für Läden vermietet bekommen. Ich denke, das ist uns in der Wetterau sehr gut gelungen“, sagt Gnadl.

Wetteraukreis als Schwerpunkt

In Echzell engagiert sich der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“. Mittlerweile gibt es zudem einen vom Bund geförderten lokalen Aktionsplan, bei dem die Gemeinde mit drei Nachbarorten zusammenarbeitet. Seitdem die braune Terrorzelle aus Thüringen aufgeflogen ist, interessiert sich auch die breitere Öffentlichkeit für die Probleme hier. „Wir begrüßen die momentane Medienpräsenz des Themas und dass sich die breite Masse nun damit auseinandersetzt“, sagt die Sprecherin der „Grätsche“, Sabrina Lauster.

Das trübe Spätherbstwetter passt zur Stimmung in der Wiesengasse. Sie liegt im Nebel, ruhig und leer. Das ist nach Erzählungen von Anwohnern häufig anders, dann wird dort gefeiert und die Straße ist zugeparkt von Autos, die die 88 im Kennzeichen tragen. Unter Neonazis steht das für „Heil Hitler“.

Bürger setzen sich zur Wehr

Der rechte Nachbar zog 2007 her. Die ersten Jahre waren Anwohnern zufolge entspannt. Dann kam es zum Streit – zunächst wegen der Partys. Schließlich sei ein Anwohner verprügelt worden. Die Bürger schlossen sich zur Initiative „Grätsche“ zusammen, die jetzt ein Verein ist. Mit Aufklärung, Aktionen wie Festivals oder Zusammenarbeit mit Schulen und Vereinen wollen die Mitglieder vor allem Kinder und Jugendliche von der rechten Szene fernhalten – oder sie wieder herausbekommen. 

Im Juli kam der ungeliebte Nachbar wegen mutmaßlicher Drogengeschäfte in U-Haft. „In der Wiesengasse wurde es wesentlich ruhiger. Aber es war klar, dass das Problem nicht erledigt sein würde“, sagt Sabrina Lauster. Jetzt ist er – wenn auch von einer elektronischen Fußfessel bewacht – wieder da. Und die Kumpels ebenso. „Wir waren fassungslos, als er wieder in sein Haus spazierte“, sagt Lauster. Da verliere man doch jeden Glauben ins Rechtssystem.

Glauben ans Rechtssystem verloren

Andreas Balser, Vorsitzender des Vereins „Antifaschistische Bildungsinitiative“, stuft die Gruppe um den Wiesengassen-Bewohner als extrem rechts und auch gewaltbereit ein. Nach Gründung der Initiative seien Mitglieder „massiv bedroht“ worden, das sei „ziemlich beängstigend“. Er hofft, dass das Thema Rechtsextremismus jetzt länger in den Medien bleibt. Es habe auch Zeiten gegeben, in denen es trotz Gewalttaten der Szene niemanden interessiert habe. „Das ist teils schon beschämend.“

Der Verfassungsschutz geht in seinem Bericht für das Jahr 2010 davon aus, dass von den 1450 Rechtsextremisten in Hessen 300 NPD-Mitglieder und 250 Neonazis sind. Gewaltbereit sind demnach etwa 400 Szene-Anhänger. Der Verfassungsschutz listet darin auch verschiedene Gruppen von Neonazis auf. Sie agierten vor allem regional im Schwalm-Eder-Kreis, im Raum Kassel, Main-Kinzig-Kreis, Rhein-Main-Gebiet – oder in Wetzlar.

Gewalt von rechts auch in Hessen

In der mittelhessischen Domstadt verübten jugendliche Neonazis im März 2010 einen lebensgefährlichen Anschlag auf das Haus eines Kirchenmitarbeiters, der sich gegen Rechts engagiert. Sie warfen einen Molotowcocktail gegen die Eingangstür, sie fing Feuer, ebenso ein Vorhang im Flur.

Der Anschlag galt Joachim Schaefer. Der 50-jährige Seelsorger kümmert sich um Migranten, um Jugendliche, setzt sich in lokalen Bündnissen für Toleranz ein und mit Neonazis auseinander. Er filmt sie bei Aufmärschen und Aktionen und dokumentiert im Internet die rechtsradikalen Umtriebe. Er engagierte sich auch dann noch, als es erste Drohungen und Farbanschläge auf sein Haus gab. „Ich bin halt Seelsorger. Ich mache das, um Jugendliche bei der Gestaltung der Lebensumwelt mitzunehmen. So sind auch diese Jugendlichen eine Zielgruppe für mich und ich versuche, sie vielleicht auch zur Demokratie zu bekehren“, sagt er.

Schmierereien in Wetzlar

In der Nähe seines Arbeitsplatzes steht der Dom von Wetzlar. Vor wenigen Monaten war auch er Ziel einer Aktion von Neonazis. Auf der hellen Fassade prangten plötzlich große Hakenkreuze, außerdem Schriftzüge wie „Rudolf Heß – Märtyrer“ oder „Nationaler Sozialismus bis zum Sieg.“

Der Brandanschlag auf Schaefer ging glimpflich aus. Getroffen wurde allerdings nicht Schaefer, sondern dessen Familie. Der Pastoralreferent lebte zum Tatzeitpunkt bereits von seiner Frau getrennt und wohnte gar nicht mehr bei ihr und den Kindern. Sie hatten Glück: Das Feuer konnte schnell gelöscht werden, niemand wurde – zumindest körperlich – verletzt. Die Täter sind mittlerweile rechtskräftig verurteilt. Schaefer sagt: „Das sind jetzt Märtyrer in der rechtsradikalen Szene. Die kommen gestärkt aus der Haft wieder raus.“

Mit wenig Fingerspitzengefühl

Schlimm war für Schaefer nicht allein der Anschlag, sondern auch das Verhalten in seinem Umfeld, wie der 50-Jährige erzählt. Die Polizei habe mit wenig Fingerspitzengefühl ermittelt, von der Stadt sei er erst nach dem Brand ernst genommen worden. Vorher sei er als Querulant angesehen worden, der das Thema Neonazis aufblase. „Das ärgert mich sehr.“ Wie die Echzeller findet auch Schaefer, dass man als Engagierter gegen Rechts doch eher alleine ist: „Die besondere öffentliche Aufmerksamkeit jetzt wird auch wieder vergehen. In zwei Wochen nerven wir dann doch wieder.“

© Frankfurter Neue Presse 2011

 

 

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Wetterauer Zeitung – Mahnwache für die Opfer des rechten Terrors

Das feuchtkalte Wetter konnte die Menschen am Sonntag nicht davon abhalten, sich an der evangelischen Kirche zu einer Mahnwache für Demokratie und gegen Rechtsextremismus und Terror zu versammeln. Bürger versammeln sich zur Mahnwache gegen Rechtsextremismus und für Demokratie vor der Echzeller Kirche. Bürger versammeln sich zur Mahnwache gegen Rechtsextremismus und für Demokratie vor der Echzeller Kirche. Dem Aufruf zur Mahnwache des Vereins »Grätsche gegen Rechtsaußen« waren nicht nur Bürger in Echzell gefolgt. Auch in Florstadt, Wölfersheim, Friedberg, Butzbach, Reichelsheim und anderen Orten der Wetterau fanden sich Menschen zusammen, um mit Kerzen Opfern rechter Gewalt zu gedenken, sich mit ihnen solidarisch zu zeigen und ein Zeichen gegen den Rechtsextremismus zu setzen.

Manfred Linß von der »Grätsche« bedankte sich bei den Anwesenden für ihre Bereitschaft, an dieser Veranstaltung teilzunehmen und betonte, man sei nicht allein.

MahnwacheDie Mahnwache begann um 17 Uhr mit dem Ende des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche. Dort hatte auch Pfarrer Heinz Weber das Thema aufgegriffen. Unter dem Titel »Schluss mit dem menschenverachtenden Tun« hatte die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau eine Erklärung abgegeben und somit den Protest gegen Rechtsextremismus unterstützt. Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen sollten ermutigt werden zur Zivilcourage und Projekten gegen Rassismus und Antisemitismus.

Die Gottesdienstbesucher schlossen sich der Mahnwache an und zündeten ebenfalls Kerzen an.

© Wetterauer Zeitung 20.11.2011

 

Kreis-Anzeiger – „Sich erinnern bedeutet, wachsam zu sein“

(pha). Viele Besucher drängten sich auf den Bänken der evangelischen Kirche in Bisses, als Pfarrer Heinz Weber zu Beginn der Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen, deren Bedeutung in zwei Sätzen zusammenfasste: „Die Opfer zu vergessen bedeutet, sie ein zweites Mal zu töten. Sich erinnern bedeutet, wachsam zu sein für die Zukunft.“

Der neu gegründete Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Echzell“ hatte gemeinsam mit den Echzeller Kirchengemeinden und dem Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ anlässlich des Jahrestags der Novemberpogrome von 1938 zu einer Gedenkstunde in die Bisseser Kirche eingeladen, in deren Mittelpunkt die Opfer des Nationalsozialismus standen. Die Veranstalter erinnerten an Mitbürger, die verfolgt, gequält und ermordet worden waren.

Beispielhaft für die Schicksale jüdischer Mitbürger Echzells wurde die Geschichte von Julius Simon und seiner Familie angeführt. Ein fußballbegeisterter Metzger, 1920 Gründungsmitglied des SV Echzell, der 1931 noch zu dessen Vorsitzenden gewählt wurde. 1935 siedelte Julius‘ Familie nach Frankfurt um. Ein Teil der Kinder emigrierte in die Niederlande, doch überlebte niemand den Holocaust. Am 6. Oktober 1944 starben Julius Simon und seine Frau Milli sowie deren Vater im Konzentrationslager Auschwitz. Milli Simon hatte einen Bruder, Siegfried, der den Holocaust überlebte. Dessen 1928 in Gettenau als Marlies Simon geborene Tochter war zur Gedenkstunde angereist. Sie lebt heute unter dem Namen Miryam Marliese Laadai in Tel Aviv.

Ihr Vater Siegfried Simon hatte in den 1960er Jahren einen Brief geschrieben, der von Sabrina Lauster verlesen wurde. Zuvor hatte Gitta Seckel aus dem Buch „Gettenau, wie vieles früher einmal war“ einen Text über die in Gettenau lebende Lina Leopold verlesen. Da der Text auf Kindheitserinnerungen des Autors Gustav Helmut Schäfer beruhte, gewährte er den Anwesenden einen Einblick in das gemeinsame Leben von Juden und Christen in Echzell vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Die Anwesenden erhoben sich, als Dr. Christian Becker und Dr. Jochen Degkwitz 58 Namen jüdischer Echzeller Bürger verlasen, die nachweislich ermordet wurden. Die Recherchearbeit ist hier jedoch noch nicht abgeschlossen. Wie Degkwitz später erklärte, forsche der Arbeitskreis noch nach etwa zwei Dutzend in Echzell geborener Juden, deren Schicksal bisher ungeklärt sei.

Mit ruhigen aber auch aufrüttelnden Werken verliehen Dr. Ralf Schäfer an der Orgel und Johanna Backes an der Klarinette der Veranstaltung einen würdigen musikalischen Rahmen.

Die Psalmen, erklärte der katholische Pfarrer Wolfgang Kaiser, seien die ältesten gemeinsamen Gebete von Juden und Christen und verbänden so beide Religionen miteinander. So betete man gemeinsam den Psalm 126 und das Vaterunser.

Ein kurzer Gedenkmarsch im Kerzenschein endete auf dem Jüdischen Friedhof in Bisses. Dort sprach Bastian Roos das jüdische Totengebet „Kaddish Yatom“ in hebräischer Sprache, wofür sich Miryam Marliese Laadai besonders bedankte.

Nach jüdischer Sitte hinterließen die Teilnehmer der Gedenkfeier kleine Steine auf den Grabmälern. Noch lange nach dem Ende der Gedenkstunde standen Menschentrauben auf der Bisseser Straße, diskutierten und sprachen über das Gehörte und die Geschichte. 

© Frankfurter Rundschau 2010

 

 

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Kreis-Anzeiger – Über den Wert von Demokratie und Toleranz

(pha). Nein, das mögen Jugendliche nicht: Einfach jemanden vor die Nase gesetzt bekommen, der einen dann vertritt oder einem was zu sagen hat. Das beginnt bei den Klassensprechern, zieht sich über Vereine und endet später bei der Regierung. Auch wenn die 26 Konfirmanden aus Echzell und Bisses dort noch nicht mitwählen dürfen, wurde ihnen bewusst, wie wichtig freie Wahlen sind.

Dafür hatte die Auftaktveranstaltung des Lokalen Aktionsplans (LAP) gesorgt, in deren Rahmen sich die Jugendlichen mit Demokratie und Toleranz auseinandersetzten. In Zusammenarbeit mit Pfarrer Heinz Weber hatten Sabrina Lauster und Klaus Karger von der Regionalentwicklung Oberhessen gemeinsam mit den Jugendlichen eine Präsentation ausgearbeitet, die sie jetzt in der Alten Molkerei zeigten.

Demokratie und Toleranz sind nicht unbedingt Themen, mit denen sich Menschen in der Pubertät auseinandersetzen. Doch auf einzelne Punkte angesprochen, wie etwa die Wahl des Klassensprechers, erklärten die Jugendlichen, wie wichtig ihnen diese demokratischen Grundlagen sind, die sie bisher meist als selbstverständlich hingenommen hatten. Auch die Beschäftigung mit dem Thema Toleranz zeigte, dass man auch hier im täglichen Leben gefragt ist und der Teufel im Detail sitzt. In den anderen LAP-Kommunen Reichelsheim, Wölfersheim und Florstadt war die Auftaktveranstaltung bereits erfolgt. Echzell bildete in der ersten Runde nun den Abschluss. Im anschließenden Gespräch unter den Organisatoren in Echzell zeigte sich, dass alle mit dem Ergebnis zufrieden waren. Die Arbeit mit den Konfirmanden sei nicht immer einfach, waren sich die Verantwortlichen einig. Doch präge gerade dieser Lebensabschnitt den Menschen so stark, wie kein anderer. Aus eigener Erfahrung resümierte Pfarrer Weber: „Kämpfen lohnt sich!“

© Frankfurter Rundschau 2011

 

 

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Wetterauer Zeitung – Mit dem »Schlitzer« 5 Kilo Drogen gekauft

22-Jähriger zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt- Mit Auto und Bike zum Coffee-Shop

(chh). Zusammen mit dem sogenannten Schlitzer soll Felix K. im Juli diesen Jahres in Holland 4,5 Kilogramm Amphetamine und 600 Gramm Marihuana gekauft haben. Dafür musste er sich gestern vor dem Gießener Landgericht verantworten. Der An geklagte zeigte sich geständig und wurde vom Vorsitzenden Richter Dr. Dietwin Johannes Steinbach zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Verfahren gegen den »Schlitzer« wird gesondert verhandelt. 

4,5 Kilogramm Amphetamine und rund 600 Gramm Marihuana sollen Felix K (Name geändert, die Redaktion) und Patrick W. in einem heruntergekommenen Vorort von Maastricht gekauft haben. 3,5 Kilo der synthetischen Drogen und die Hälfte des Marihuanas sollten an W. gehen, in der Wetterau als »Schlitzer« bekannt. Für den Rest musste sich gestern vor Gericht der 22-Jährige aus Weilmünster verantworten. Der »Schlitzer« wartet noch auf seinen Prozess. Sein Verfahren wird getrennt verhandelt, auf ihn könnten noch Anklagen wegen Waffenbesitz und Volksverhetzung zukommen. Der Echzeller sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Gleich zu Beginn des Verhandlung berieten sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Richter Steinbach und stellten dem 22-jährigen Angeklagten eine maximale Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten in Aussicht. Voraussetzung: ein umfassendes Geständnis. K. willigte ein und schilderte detailliert den Tathergang.

Den »Schlitzer« habe er rund ein Jahr vor dem Drogendeal kennengelernt. »Ein Freund von mir war mit Patrick befreundet, ich glaube, sie sind zusammen in die Schule gegangen«, berichtete der 22-Jährige. Da W. ein Tattoo-Studio besitzt, sei man häufiger nach Echzell gefahren, auch weil sich die Freundin des Angeklagten ein Piercing stechen lassen wollte. Irgendwann habe ihn W. gefragt, ob er Interesse habe, in Holland Drogen zu kaufen. K. stimmte zu.

Vor Coffee-Shop Dealer angesprochen

»Wir sind dann zusammen nach Maastricht gefahren. Patrick hat vor einem Coffee-Shop jemanden angesprochen und nach Drogen gefragt«, erklärte der Angeklagte. Die Kontakte waren geknüpft, W. und K. machten sich wieder zurück nach Deutschland. Der 22-Jährige fuhr anschließend mit seiner Freundin in den Urlaub, der »Schlitzer« noch ein paar Mal nach Holland, um den Deal vorzubereiten. Noch im Urlaub rief der »Schlitzer« K. an: »Er sagte mir, wir müssen uns dringend, treffen, wenn ich wieder zu Hause bin.« Konkret über den geplanten Deal habe man nicht gesprochen. »Patrick hatte den Verdacht, dass die Polizei sein Handy abhört«, begründete der 22-Jährige. Der »Schlitzer« sollte Recht behalten, wie sich später herausstellte.

Kurz nach der Rückkehr aus dem Urlaub war es dann soweit, am Abend des 7. Juli machten sich die beiden auf in Richtung Holland. K. fuhr mit seinem Wagen, Patrick W. folgte auf einem gemieteten Motorrad. »Damit er schneller vor der Polizei fliehen kann«, sagte K. auf Nachfrage des Richters. In Maastricht stoppten sie an einer Tankstelle. »Patrick rief die beiden Dealer an. Kurze Zeit später tauchten sie auf, und wir fuhren gemeinsam in einen heruntergekommenen Vorort«, erinnerte sich der junge Mann aus Weilmünster. In einer Wohnung legten K. und W. zusammen rund 7000 Euro auf den Tisch, sie erhielten eine Tüte mit 4,5 Kilogramm Amphetamine und eine Tüte mit 600 Gramm Marihuana.

Mit dem Motorrad über die Grenze

Ohne die Ware zu wiegen – der Angeklagte sagte dem Richter, er habe W. vertraut, außerdem habe er Angst vor den Dealern gehabt – machten sich die beiden zurück nach Echzell. Die Drogen transportierte der »Schlitzer« auf dem Motorrad im Rucksack, K. folgte in seinem Auto. Als er gegen 4 Uhr morgens die Hofreite in Echzell erreichte, sei er direkt festgenommen worden. »Ich glaube, die Polizei hatte Patrick auch schon gefasst.«

Korrekt, wie ein Polizist gestern im Zeugenstand bestätigte. »Wir haben Patrick W. schon seit Anfang des Jahres umfangreich überwacht«, berichtete der Beamte der Polizeistation Wetterau. Demnach habe es schon mehrere verdächtige Fahrten gegeben, bei denen der »Schlitzer« ein schnelles Motorrad gemietet hatte. Daher observierten die Beamten den Gettenauer auch am 7. Juli. Wir haben die Fahrt nach Holland mit technischen Mitteln begleitet«, sagte der Polizist. Auf Nachfrage des Verteidigers erklärte er, dass man das Handy des »Schlitzers« geortet habe. In der Wohnung des 25-Jährigen erfolgte dann der Zugriff.

Sympathien für rechte Szene

Das umfassende Geständnis zeigte Wirkung: Staatsanwältin Dr. Carina Heublein plädierte für eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten zur Bewährung. Für den Angeklagten spreche seine umfassendes und frühes Geständnis, gegen ihn die große Menge der gekauften Drogen und seine Vorstrafe. Im November 2009 war der junge Mann verurteilt worden, weil er bei einem Fußballspiel ein T-Shirt mit rechtsradikalem Aufdruck getragen habe. Beim Polizeiverhör nach seiner Festnahme im Juli habe er gesagt, mit der rechten Szene zu sympathisieren. Vor Gericht betonte K. seine Gesinnung habe sich inzwischen geändert.

Sein Verteidiger forderte drei Monate weniger. Sein Mandant sei noch sehr jung und zudem auf einem sehr guten Weg. Seit Kurzem sei er als Handwerker selbstständig.

Richter Steinbach folgte dem Plädoyer des Verteidigers und verurteilte den Angeklagten wegen der unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubtem Handel zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Zudem muss er 1000 Euro an die Staatskasse zahlen und regelmäßige Drogentests nachweisen.

»Sie haben sich von starken Männern beeinflussen lassen. Nicht Sie hatten das Sagen, sondern W. Sie waren ein Mitläufer. Trotzdem, Sie haben eine schwere Straftat begangen. Es ist notwendig, dass Sie sich aus dem Dunstkreis des Drogenhandels fernhalten.«

Ein Termin für die Verhandlung gegen den »Schlitzer« steht noch nicht fest. 

© Wetterauer Zeitung 26.10.2011

Wetterauer Zeitung – Verdacht auf Drogenhandel

Bekannter des „Schlitzers“ steht ab heute vor Gericht Echzell
(dab). Heute beginnt vor dem Landgericht Gießen der Prozess gegen einen 2l-Jährigen aus dem Kreis Limburg-Weilburg. Er war am 7. Juli zusammen mit dem sogenannten „Schlitzer“ verhaftet worden. Der Zugriff erfolgte, als die beiden von einer mutmaßlichen Drogenfahrt in die Niederlande zum Haus des 25-jährigen Gettenauers zurückkehrten: Die beiden hatten 4,5 Kilogramm Amphetamin und rund 600 Gramm Marihuana im Gepäck, als die Polizei sie dingfest machte.

Wann dem „Schlitzer“ der Prozess gemacht wird, ist noch unklar. Gut möglich, dass er sich nicht nur wegen Drogenhandel verantworten muss: Die Polizei ermittelt auch wegen Waffenbesitz und des Verdachts der Vdlksverhetzung.

© Wetterauer Zeitung 25.10.2011

Wetterauer Zeitung – Von der Wiesegasse zur Biogasanlage

»Tour de Natur« der Grünen von Staden nach Echzell bis Berstadt und zurück

(pm). Die zweite »Tour de Natur« in der mittleren Wetterau unter Federführung des Florstädter Ortsverbands (unterstützt durch die Ortsverbände Reicheisheim, Echzell und Wölfersheim) hatte einen erfolgreichen Verlauf. Begleitet wurde die Tour auch von zwei Abgeordneten aus dem Land- und Bundestag. »Ellen Enslin und Priska Hinz waren begeistert von den drei spannenden Vorträgen, die ihnen das politische Alltagsgeschäft ländlicher Kommunen näherbrachte«, sagte die Florstädter Grünen-Vorsitzende Gudrun Neher.

Start war am Stadener Sauerbrunnen, der sich derzeit in einem schlechten Zustand befindet. Die Florstädter Grünen konnten aber berichten, dass in Kürze Sanierungsarbeiten in Auftrag gegeben würden. Es handele sich um ein komplexes Vorhaben, da der Untergrund stark in Bewegung sei.

Die erste Etappe ging vorbei an Leidhecken, mit Blick auf den Reichelsheimer Flugplatz, bis zum Bingenheimer Ried. Dort tarf man auch auf den Seidenreiher, der »in unseren Breiten ganz selten zu sehen ist«, wie Diplomforstwirt Klaus Seipel in seinen Kurzvortrag über die Bedeutung  des Naturschutzgebietes sagte.

Weiter ging es in der zweiten Etappe vorbei an Bingenheim bis nach Gettenau in die Wiesengasse. Gegenüber dem Domizil der »Old Brothers« traf man sich mit Vertretern des Vereins »Grätsche gegen Rechtsaußen«, die über die Aktivitäten des letzten Jahres sowie über die aktuelle Situation – ein wichtiger Protagonist der rechtsextremen Gruppe befindet sich in Untersuchungshaft – berichteten. Manfred Linss vertrat die Einschätzung, dass sich die Existenz rechtsradikalen Gedankenguts bei Jugendlichen mit der Inhaftierung des »Schlitzers« nicht erledigt habe, denn es gehe hier um grundsätzliche Fragen des Respekts und der Toleranz gegenüber anderen. Neher berichtete, dass die Stadtverordnetenversammlung über die Teilhabe am »lokalen Aktionsplan« mit engagierten Projekten in der ganzen Region berate.

Nach einer Stärkung an einem idyllischen See nördlich von Echzell folgte die dritte Etappe nach Berstadt zur Baustelle der neuen Biogasanlage der Ovag. Geschäftsführer Stefan Hammer erläuterte den Planungsstand und die Bedeutung der Anlage, die durch die Herstellung von lagerbarem Methangas als Speicher wirken könne für Zeiten, in denen Windkraft und Solarenergie einen schwachen Wirkungsgrad hätten. Da die Vermarktung von Methangas noch nicht optimal geregelt sei, wünschen sich einige der Tour-Teilnehmer eine zusätzliche direkte Nutzung im Zusammenhang mit einem neuen Wohngebiet, das hier mit Fernwärme direkt versorgt werden könnte. Stefan Hammer berichtete, dass die Anlage in Berstadt, die im 2. Quartal 2012 in Betrieb gehen soll, 3200 Haushalte mit Energie versorgen könne. Nicht direkt genutzte Energie werde ins Gasnetz eingespeist.

Aufgrund des guten Wetters fand die Radtour regen Zuspruch und die Teilnehmerzahl war bei der Einfahrt nach Reichelsheim auf 34 Personen angewachsen. Die Veranstalter waren mit dieser Resonanz sehr zufrieden und planen für das kommende Jahr wieder gemeinsam mit den Ortsverbänden eine ähnliche Fahrt mit neuen Streckenführung und spannenden Anlaufpunkten. 

© Wetterauer Zeitung 25.08.2011

 

Frankfurter Rundschau – Aktionsplan gegen Rechts

Von Detlef Sundermann

Echzell Festival zum Auftakt / Vier Kommunen und viele Vereine beteiligen sich

Allein der Gewittersturm, der zur zeitweiligen Räumung des Festzeltes führte und den Cocktail-Stand zerlegte, trübte etwas die Bilanz des zweiten Festivals „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ am Samstag in Echzell- Gettenau. Bereits am Nachmittag zeichnete sich der Erfolg des Festivals ab: Der Veranstalter, der Verein Grätsche gegen Rechtsaußen, schätzte rund 600 Besucher, die am Programm mit Sport- und Spieleparcours sowie Sponsorenlauf teilnahmen. Beim mehrstündigen Musikprogramm am Abend wurden 250 Gäste gezählt.

Das Festival, das unter der Schirmherrschaft des Echzeller Bürgermeisters Dieter Müller (SPD) stand, bildete den Auftakt für einen lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextreme, sagte Grätsche- Sprecherin Sabrina Lauster. An dem Aktionsplan werden sich die Kommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim beteiligen. Aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gibt es für das drei Jahre dauernde Projekt eine Förderung in Gesamthöhe von 260 000 Euro. Im Herbst will der Verein ein Koordinierungsbüro eröffnen. Außerdem soll ein Begleitausschuss mit Vertretern der vier Kommunen sowie deren Vereinen und Organisation gegründet werden.

Auch Ältere sensibilisieren

Der Hintergrund: Das Dorf Gettenau war wegen eines dort ansässigen Neonazis in die Schlagzeilen geraten. Der „Schlitzer“, ein Pseudonym, das sich der Mann selbst verpasste, lebt in einer Hofreite, in der Neonazis aus der Region ein- und ausgehen sollen. Die Nachbarn in der Wiesenstraße werden von den Rechten in Angst und Schrecken versetzt, Autos und andere Dinge werden demoliert. Fast jedes Haus in der engen Straße hat eine Videoüberwachung. Darauf wird auch mit großen Schildern hingewiesen.

Seit einem Monat sei es im „Old Brother Castle“, so nennt der „Schlitzer“ sein Zuhause, etwas friedlicher geworden, erzählte eine Nachbarin. Denn der Mann sitzt zurzeit wegen mutmaßlichen Drogenhandels in Untersuchungshaft. Doch Rechtsextremismus und deren Ausbreitung sei nicht allein ein Gettenauer Problem, sagte Grätsche-Sprecherin Lauster. Und ergänzt: „Mit dem Aktionsplan soll nicht allein gewarnt, sondern auch versucht werden, junge Leute nicht in die rechte Szene hineinrutschen zu lassen.“

Schon früh hat der Verein deshalb mit dem „Beratungsnetzwerk zur mobilen Intervention gegen Rechtsextremismus“ und der Sportjugend Hessen Kontakt aufgenommen. Beide Organisationen waren bei dem Festival auch mit einem Informationsstand vertreten.

Lauster betonte, dass es bei dem Aktionsplan aber nicht nur um Minderjährige gehe. Es sollen auch die Erwachsenen sensibilisiert werden. Anfangs habe es in Gettenau über den „Schlitzer“ immer geheißen: „Der ist doch harmlos.“ Das Meinungsbild habe sich mittlerweile aber geändert. Das zeigte sich auch bei dem Festival. Im Gegensatz zu dessen erster Auflage vor einem Jahr zählten nun viele ältere Leute zu den Besuchern.

Bunter und friedlicher Protest gegen Rechts in Gettenau. Mangels Freizeitangeboten sähen die Rechten in ländlichen Regionen besonders gute Chancen, Jugendliche, etwa mit Hausaufgabenhilfe, Grillhüttenpartys oder einfach einem gespendeten Kasten Bier, zu ködern, berichtete Angelika Ribler, Projektleiterin der Sportjugend Hessen und in dieser Funktion Reisende in Sachen Rechtsextremismus und Vereine.

„Es müssen Alternativen geboten werden, beispielsweise Sport als Erlebniswelt. Jugendliche, die bereits mit der rechten Szene in Berührung gekommen sind, dürfen nicht abgelehnt werden“, so Ribler. Vielen Minderjährigen sei nicht immer klar, mit wem sie sich einließen.

Pedro Valdivielso vom Beratungsnetzwerk berichtet nach drei Jahren des Aktionsplans für den Vogelsbergkreis von Erfolgen. „Es ist mehr Ruhe eingekehrt“, sagt er. Auch funktioniere die Vernetzung, etwa zwischen Vereinen und Ämtern wie der Jugendpflege gut. Nun müsse an der Nachhaltigkeit gearbeitet werden. Ein Fundament hierzu seien Vereine und Organisationen.

Dieselbe Strategie soll auch dem Echzeller Aktionsplan zugrunde gelegt werden.

© Frankfurter Rundschau 2010

 

 

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Wetterauer Zeitung – Echzell will wieder Farbe bekennen

Festival »Gemeinsam Gegen Rechtsaußen« steigt am Samstag, 6. August, auf dem Sportplatz Gettenau 
(pm/dab). »Die dramatischen Ereignisse in Norwegen haben gezeigt, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit in den Köpfen aller Menschen ist«, betonen die Mitglieder des Vereins Grätsche gegen Rechtsaußen in einer Pressemitteilung.»Auch im Wetteraukreis sind immer noch ein paar Ewiggestrige aktiv, die sich gegen eine tolerante Gesellschaft und die Grund-werte der Demokratie aussprechen. Sie organisieren sieh in rechtsextremen Gruppen in der Mitte der Gesellschaft und verbreiten ihr braunes Gedankengut unter Jugendlichen.« Aus diesem Grund stellt der Verein zum zweiten Mal ein Festival »Gemeinsam gegen Rechtsaußen« auf die Bühne. Gefeiert wird am Samstag, 6. August, auf dem Sportplatz in Gettenau, bei freiem Eintritt.

 Im vergangenen Jahr hatte noch die Bürgerinitiative »Grätsche gegen Rechtsaußen« das Festival organisiert; mittlerweile ist die Grätsche zum Verein geworden. Vor einem Jahr kamen rund 900 Besucher nach Gettenau. Unterstützt von der Sportjugend Hessen, dem Beratungsnetzwerk Hessen und ortsansässigen Vereinen gelang es der jungen Initiative, auf das Gefahrenpotenzial aufmerksam zu machen, das von einer in Echzell ansässigen rechtsextremen Gruppe rund um den »Schlitzer« ausgeht. Mit dem Festival wurde eine Plattform geschaffen, um aufzuklären, zu informieren und gemeinsam ein friedliches Zeichen in der Gemeinde zu setzen. Für Kinder und Jugendliche gab es eine Sportrallye mit integriertem Quiz zur Ausstellung »Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen«, während sich die Eltern an den Infoständen von Polizei, Antifaschistischer Bildungsinitiative und an-deren Institutionen, die sich mit der Prävention gegen Übergriffe der rechten Szene beschäftigen, informieren konnten. 

Diesmal stehen dem Verein zur Durchführung des Festivals auch Mittel aus dem Bundesprogramm »Toleranz fördern – Kompetenz stärken« zur Verfügung. Als Teil dieses Programms, für das über eine viertel Million Euro in die Wetterau fließt, entsteht derzeit ein Lokaler Aktionsplan. Unterstützt werden sollen Aktionen ziviler Akteure in den eingebundenen Kommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim. Aus diesem Grund steht das Festival diesmal auch unter dem Motto »Gemeinsam Gegen Rechtsaußen – Toleranz fördern – Kompetenz stärken«. Am Samstag nächster Woche wollen die Akteure auf dem Gelände des Sportplatzes in Gettenau wieder informieren, beraten und ausklären, aber auch durch ein vielfältiges Tagesprogramm mit anschließendem Konzert Besucher jeden Alters begeistern.  ihr braunes Gedankengut unter Jugendlichen.« Aus diesem Grund stellt der Verein zum zweiten Mal ein Festival »Gemeinsam gegen Rechtsaußen« auf die Bühne. Gefeiert wird am Samstag, 6. August, auf dem Sportplatz in Gettenau, bei freiem Eintritt.  

Meinung sagen in »Blackbox«

Auftakt um 14 Uhr bildet ein ökumenischer Gottesdienst. Um 15 Uhr erfolgt der Startschuss zum Sponsorenlauf und zur Öffnung des Sport- und Spieleparcours. Im Mittelpunkt des Nachmittagsprogramms steht eine Rallye, die Spiel, Sport und. Spaß mit Aufklärung und Information verbinden will. Wer sechs Stationen absolviert hat, bekommt ein Gratis-Getränk. Ein Höhepunkt stellt ein Bungee-Trampolin dar, das die Jugendpflege Echzell organisiert hat. Die Ausstellung »Tatort: Rheinland-Pfalz« der Heinrich-Böll-Stiftung, ergänzt durch einen regionalen Teil von der An-tifaschistischen Bildungsinitiative, stellt den Schlusspunkt der Rallye dar. Ergänzt wird das Angebot durch Discofox- und Selbstverteidigungsworkshops, einen Bogenschießstand, Kinderschminken, eine Tombola sowie Darbietungen des Musikvereins Echzell, des Gesangvereins Einheit Echzell und des Musikzugs der Feuerwehr Blofeld. Außerdem ist eine »Blackbox« aufgebaut, in der jeder sein Statement zum Festival per Videobotschaft abgeben kann. Ab 19.30 Uhr wird’s laut auf der Bühne im Festzelt. Es spielen der heimische Sänger und Songwriter Domi Bade mit seiner Band sowie die Coconut Butts, die fröhlichen Ska-Punk und auch ein bisschen Reggae auf die Bühne bringen. Extra aus Schweden angereist kommen die Jungs von Mary Fay, eine der bekanntesten Newcomer-bands im Bereich Indie/Alter-native. Auch sie wollen ein Zei-chen gegen Rechts setzen. 

© Wetterauer Zeitung 30.07.2011