Archiv der Kategorie: Presseberichte


Kreis Anzeiger – „Klima von Respekt und Toleranz schaffen“

Verein Grätsche gegen Rechtsaußen unterstützt Initiative

Die Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ wurde 2010 von Lothar Rudolf ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, jedwede Benachteiligung – etwa aufgrund ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, wegen einer Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung – zu verhindern. Die Initiative organisiert Veranstaltungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen, macht Filme, Bücher und Flyer. Der Verein Grätsche gegen Rechtsaußen unterstützt diese Initiative.

Neben vielen prominenten Unterstützern aus Wirtschaft, Kultur, Sport und Fernsehen unterstützt auch die IG Metall die Initiative mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Das „Respekt!“-Schild, Erkennungszeichen der Initiative, hängt bereits in zahlreichen Unternehmen, Vereinen und Schulen überall in Deutschland. „Die Zugehörigkeit zu einer Minderheit hat sich niemand bewusst ausgesucht. Sie ist vielmehr das Resultat verschiedener Umstände für die man oft selbst gar nichts kann“, so Manfred Linss, Vorsitzender des Vereins Grätsche gegen Rechtsaußen. Es sei wichtig, zu erkennen, dass man selbst ganz schnell zu einem Teil einer Minderheit werden könne, etwa durch einen Verkehrsunfall.

Mit der Aktion könne man ein Zeichen setzen, andere mitreißen und so in seinem Umfeld ein Klima von gegenseitigem Respekt und Toleranz schaffen. „Respekt ist eine entscheidende Grundlage für das Zusammenleben in einer Demokratie“, betont Linss, „nur so ist auch Toleranz möglich.“ Weitere Aktionen seien bereits in Planung. Der Echzeller Verein hofft, noch mehr Firmen und Vereine gewinnen zu können, die sich an der Aktion beteiligen. „Am wichtigsten ist es allerdings, Respekt und Toleranz zu leben“, betont Linss.

Wer sich für die Aktionen des Vereins Grätsche gegen Rechtsaußen interessiert, kann sich im Internet auf www.graetsche-gegen-rechtsaussen.de informieren. 

© Kreis Anzeiger 26.05.2012  

 

 

 


Frankfurter Rundschau – Weg mit den Nazi-Tattoos

Wetterau „Old Brothers“ sollen Mitglieder verlieren

Der als „Schlitzer“ bekannte Patrick W., Chef der rechtsextremen Truppe „Old Brothers“, sitzt im Knast und muss sich bald vor dem Landgericht Gießen behaupten, unter anderem wegen Volksverhetzung und Körperverletzung. Eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz ist jüngst dazugekommen – womit sich die „seit Jahren kursierenden Gerüchte um Waffen bei der Gruppe und bei Neonazis in Hessen“ bestätigt hätten, teilte die Antifaschistische Bildungsinitiative Wetterau (AntifaBI) mit.

W.s Inhaftierung sei kein Grund zur Entwarnung. Die übrigen „Old Brothers“ seien auf freiem Fuß und erlebten derzeit einen Wandel: So rekrutierten sie neue, teils kampfsporterprobte Mitglieder. Im Gegenzug aber hätten auch einige der Gruppe den Rücken gekehrt. Aus sicherer Quelle will die AntifaBI wissen, dass sich manch ein Ex-„Old-Brother“ bereits seine Nazi-Tattoos hat überstechen lassen.
Im Juli 2011 hatten Fahnder bei W. vier Kilo Amphetamin und und ein Pfund Marihuana gefunden. Vier Monate saß er deswegen in Untersuchungshaft, bis er im November mit einer Fußfessel wieder entlassen wurde. Doch im März wurden zwei Bewährungsstrafen aufgehoben, und der als Kopf der rechten Truppe „Old Brothers“ geltende W., der auch „Schlitzer“ genannt wird, wanderte wieder hinter Gitter.  

© Frankfurter Rundschau 11.05.2012

 

Frankfurter Rundschau – Hakenkreuze und MG

Sieben Anklagen liegen gegen Neonazi vor

Es wird noch etwas dauern, bis die Hauptverhandlung gegen den Rechtsextremen Patrick W. aus Echzell beginnt. Grund ist eine weitere Anklage gegen den 26-Jährigen, die beim Landgericht Gießen eingegangen ist, wie Sprecherin Beate Bremer der FR mitteilte. Es müsse nun geprüft werden, ob diese mit den übrigen anhängigen Verfahren zusammengefasst werden könne. Zudem habe die Verteidigung, die den Empfang der Anklage bestätigte, nun Zeit, Stellung zu nehmen.

Verstöße gegen das Waffengesetz und gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz seien Inhalt der neuen Anklage, so Bremer. Konkret handle es sich um ein Maschinengewehr sowie um eine Pistole, einen Revolver und einen Schießkugelschreiber, die W. ohne Erlaubnis besessen haben soll. Damit liegen mittlerweile sieben Anklagen gegen ihn vor. Fünf davon wurden von den Amtsgerichten Friedberg und Büdingen an das Landgericht überstellt. Zwei gingen direkt ans Landgericht: neben der jüngsten auch die „Ursprungsanklage“, so Bremer. Diese dreht sich um Drogen.

Im Juli 2011 hatten Fahnder bei W. vier Kilo Amphetamin und und ein Pfund Marihuana gefunden. Vier Monate saß er deswegen in Untersuchungshaft, bis er im November mit einer Fußfessel wieder entlassen wurde. Doch im März wurden zwei Bewährungsstrafen aufgehoben, und der als Kopf der rechten Truppe „Old Brothers“ geltende W., der auch „Schlitzer“ genannt wird, wanderte wieder hinter Gitter.

In den übrigen fünf Anklagen geht es vor allem um Volksverhetzung, aber auch um Nötigung, Körperverletzung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Verstoß gegen das Urheberrecht. Ein Verfahren befasst sich mit seinen „Gaskammerpartys“, bei denen aus Duschköpfen Kunstnebel gewabert sein.

Prozessbeginn ungewiss 

Vorwürfe der Volksverhetzung brachte ihm zudem der Vertrieb und Besitz von etwa hundert Vorlagen für Tattoos und T-Shirt-Aufdrucke ein, darunter SS-Runen, Hakenkreuze und Totenschädel. Zudem soll er seine eigenen Tätowierungen in der Notaufnahme einer Klinik präsentiert haben. Außerdem soll er ein Prügelvideo ins Internet gestellt haben und mit dem Auto auf den Sohn einer Nachbarin losgefahren sein. 

Wann der Prozess terminiert werde, sei noch nicht abzusehen, sagt Bremer. Auf jeden Fall aber nicht mehr im Mai, wie es vor ein paar Wochen kolportiert wurde. Was das mögliche Strafmaß betreffe, könne sie nur sagen, dass Anklagen generell nur dann ans Landgericht überstellt würden, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Jahren in Betracht kommen könnte.  

 

© Frankfurter Rundschau 11.05.2012

 

Wetterauer Zeitung – Maschinengewehr beim »Schlitzer« entdeckt

Dem Schlitzer Patrick Wolf droht wieder Ärger: Die Staatsanwaltschaft hat eine neue Anklage gegen den derzeit in Haft sitzenden 26-Jährigen eingereicht.

Im Mai 2011 hatten Beamte die Hofreite des Gettenauers durchsucht. Was die Ermittler fanden, wurde nicht bekanntgegeben. Bis Freitagabend: Auf WZ-Anfrage bestätigte Beate Bremer, Sprecherin des Gießener Landgerichts, dass neben einer Pistole, einem Revolver und einem Schießkugelschreiber auch ein Maschinengewehr gefunden worden war.

Die Liste der Vorwürfe wird damit immer länger. Neben der neuen Anklage wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz muss sich Wolf wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung, Volksverhetzung, Verbreitung von Propagandamaterial verbotener Organisationen, Widerstand gegen die Staatsgewalt, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und des Verstoßes gegen das Urheberrecht verantworten.

Damit droht dem 26-Jährigen eine mehrjährige Haftstrafe. Laut Bremer ist geplant, die einzelnen Anklagen zu einem Verfahren zusammenzulegen. Ein Termin für den Prozessbeginn stehe noch nicht fest.

Der Antifa-Bi-Vorsitzende sieht in den »Old Brothers« um Patrick Wolf eine »kriminelle, wenn nicht sogar eine terroristische Vereinigung«. Die gefundenen Waffen passen für ihn ins Bild. Seiner Meinung nach könnten die »Old Brothers« eine Untergruppe von »Combat 18« (C18) sein, eine neonazistisch-terroristische Organisation, die auch vor Bombenanschlägen und Mord nicht zurückschrecke. Was für die Vermutung spreche: »Patrick Wolf hat C 18 im Nacken tätowiert«, sagt der Antifa-Bi-Vorsitzende. Zudem habe der erste Old-Brothers-Laden in Wölfersheim »Combat 18 Supporters Shop« geheißen. Der Vorsitzende geht davon aus, dass auch weitere Old-Brothers-Mitglieder illegale Waffen besitzen.

Im März hatte es bei Facebook eine Bombendrohung gegen den Vorsitzenden gegeben. Er solle sich nicht »wundern wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde«. Die Nachricht kam von einem Profil, das unter dem Namen »Patrick Paul Wolf« angemeldet war. Der »Schlitzer« bestritt jedoch, die Nachricht verfasst zu haben. Der Antifa-Bi-Vorsitzende nimmt die Drohung ernst: »Weil es so viele Mitläufer gibt. Dass jemand auf dumme Gedanken kommen könnte, ist kein gutes Gefühl«, hatte er damals der WZ gesagt. Der Waffenfund beim »Schlitzer« lasse die Drohung nun »in einem ganz anderen Licht erscheinen«. 

© Wetterauer Zeitung 11.05.2012

 

Wetterauer Zeitung – Streit um Trägerschaft des LAP-Projektbüros

Statt der Grätsche gegen Rechtsaußen soll der Förderverein der Kurt-Moosdorf-Schule diese Aufgabe übernehmen 

Die »Grätsche gegen Rechtsaußen« ist nicht mehr Trägerin des Projektbüros vom Lokalen Aktionsplan (LAP) Mittlere Wetterau. Die Aufgabe hat – zum 1. April – der Förderverein der Kurt-Moosdorf-Schule übernommen. Diese Information war am Wochenende einem Papier zu entnehmen, das am LAP-Stand bei der Echzeller Gewerbeausstellung auslag. Der Verein Grätsche will sich mit der Änderung allerdings nicht abfinden und hat Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt, den die vier Bürgermeister der am LAP beteiligten Kommunen – Echzell, Reichelsheim, Florstadt und Wölfersheim – unterschrieben hatten.

»Weil der Widerspruch aufschiebende Wirkung hat, sind wir weiterhin Trägerin des Projektbüros«, sagt Grätsche-Vorsitzender Manfred Linss. Bis heute habe man auf den Widerspruch vom 30. März übrigens noch keine Antwort erhalten.

Den Trägerwechsel begründet Thomas Alber von der lokalen Koordinierungsstelle (das sind die vier Gemeinden plus Regionalmanagement Oberhessen) damit, es habe an verschiedenen Stellen einen Dissens mit der Grätsche gegeben. Mehr wollte er wegen des schwebenden Verfahrens nicht sagen, betonte jedoch, man sei weiterhin an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Grätsche interessiert.

Die Situation eskalierte, weil die Grätsche mit ihrem Logo auf den LAP-Werbemitteln – Flyer, Plakate, Roll-ups – vertreten sein wollte. »Wir haben darauf bestanden, dass unser Logo mit drauf ist, weil wir gleichberechtigte Partner sind«, sagt Linss. Auch sei es eine Vorgabe des Bundesministeriums, dass die Projektträger sich mit ihren Logos kenntlich machen. Die Grätsche als gemeinnütziger Träger der externen Koordinierungsstelle, also des Projektbüros, verstehen andere eher als passiven Kooperationspartner. »Die inhaltliche Abwicklung findet statt zwischen lokaler Koordinierungsstelle und Projektbüro«, sagt Alber. Die wichtigste Funktion im Fördersystem hätten ohnehin die einzelnen Projektträger – unter anderem die Grätsche selbst, die nicht nur eigene Projekte auf die Beine stellt, sondern auch Mitglied im Begleitausschuss ist, der über die Fördergelder entscheidet. Der Streit ging am Ende so weit, dass Sabrina Lauster, die Leiterin des Projektbüros, nicht nur aus dem Vorstand, sondern ganz aus der Grätsche ausgetreten ist. Die Vereinsmitglieder fühlen sich ausgegrenzt. »Man will uns loswerden, weil wir unbequem sind, nachhaken, Transparenz wollen«, vermutet Linss. Dabei würde der Verein gerne Träger des Projektbüros bleiben. »Wir leben das LAP-Thema: Toleranz fördern, Kompetenz stärken.
 

© Wetterauer Zeitung 02.05.2012

Wochenzeitung – Nachlese

Fußballturnier für Demokratie und Toleranz am 14.04.2012 in Langgöns

Dabei sein war alles !

Erstmals nahm die C-Jugend an diesem schon einige Jahre in Langgöns stattfindenden Turnier teil. Auf Anfrage der Grätsche gegen Hechtsaußen aus Echzell waren 7 Spieler unserer Jugend unter dem Namen „Grätsche“ dabei. Doch als faire Spieler machten unsere Jungs natürlich nicht von der Grätsche gebrauch.

Vor Beginn des Turniers wurden alle Teams zusammengerufen um festzustellen ob welche fehlen. Dies gelang nicht ganz, da einige Mannschaften erst später eintrafen und oder als Anwesend gemeldet waren, jedoch fehlten. Prompt erwischte es unsere Mannschaft. Der Gegner war nicht erschienen, dass waren die ersten 3 Punkte ohne gespielt zu haben. Die nachfolgenden Spiele verschoben sich des öfteren und manchmal stand nur 1 Team auf dem Platz oder 2 Teams mussten diesen wieder verlassen weil sie dann doch nicht dran waren. Im 1. schon herbeigesehnten Match wurden dann unsere Spieler unter Wert geschlagen. Beim darauf folgenden Spiel war die gegnerische Mannschaft klar besser und gewann auch verdient. Hier verhinderte unser Torwart durch tolle Paraden eine höhere Niederlage. Das letzte Gruppenspiel wurde zwar mit einer sehr guten Mannschaftsleistung gewonnen, dies reichte jedoch nicht mehr zum weiterkommen. So konnten unsere jungen Spieler sich die von der „Grätsche“ gesponserte Verpflegung munden lassen. Dabei sie noch der Mannschaft von der Jugendpflege Echzell zu, die es bis ins Viertelfinale geschafft hatte.

Sportlich hatte man zwar nicht geglänzt, doch so hat die Mannschaft noch Luft nach oben für das nächste Mal. An dieser Stelle noch mal ein Dankeschön für die sehr gute Betreuung durch die Grätsche gegen Rechtsaußen bei diesem Fußballturnier ! 

Für die Grätsche spielten : Hendrik Hintz, Philipp Stete, Maximilian Roos. Philipp Hinkel. Marvin Wink-ler ( M.W ), Janik Hergenröther und Arvind Nandha. Als Fan : Der verletzte Steffen Klix  

© Wochenzeitung 27.04.2012  

 


Preise als „Stärkung“ für weitere Arbeit

Vorstandswahlen bei der „Grätsche gegen Rechtsaußen“

Manfred Linss ist neuer Vorsitzender des Vereins „Grätsche gegen Rechtsaußen“. Während der Jahreshauptversammlung des Vereins gegen Ausbreitung rechter Tendenzen in Echzell und der Wetterau wurde außerdem Olivia Bickerle zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Frank Stulz ist ab sofort Kassenwart, Michael Bruder bekleidet das Amt des Pressereferenten. Kassenprüfer sind Ilona Christoph und Peter Bickerle. Schriftführerin Martina Schubert wurde in ihrem Amt bestätigt.

Neben einer erfreulichen Mitgliederentwicklung, 15 neue Mitglieder zählt der Verein, wurden die Projekte des vergangenen Jahres nochmals beleuchtet und analysiert. Sehr erfolgreich sei die Lesung und Filmvorführung des Buches „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne gewesen, für die der Verein Wulf Hein als Vorleser habe gewinnen können. Auch über das Festival „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ wurde noch einmal gesprochen. Es habe gezeigt, wie viele Menschen sich über politische und religiöse Unterschiede hinweg für eine gemeinsame Sache solidarisieren, so die Meinung der Mitglieder. Der Vorstand bedankte sich bei allen Mitgliedern, Helfern und Unterstützern für die harmonische Zusammenarbeit vor, während und nach dem Festival.

2011 konnte der Verein mit „best2011“ (Hessischer Jugendring) und „Aktiv 2011“ (Bündnis für Demokratie und Toleranz) zwei Preise gewinnen, die „uns bestärken, mit unserer Arbeit weiterzumachen. Ein wenig stolz sind wir schon“, sagte Olivia Bickerle. Eine weitere „Ehrung“ sei für den Verein die Einladung zur „Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremer Gewalt“ in Berlin gewesen. Zum Abschluss gab der neue Vorstand noch eine Vorausschau auf das Jahr 2012. Neben dem Echzeller Kirchplatzfest, an dem der Verein, neben anderen Vereinen der Gemeinde, teilnimmt, wird es wieder eine Lesung geben. Außerdem findet am 30. September eine Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Buchenwald statt, an der auch Nicht-Mitglieder teilnehmen können. Weitere Projekte seien in Planung aber zum Zeitpunkt der Versammlung noch nicht abschließend beschlossen, hieß es abschließend.

© Kreis Anzeiger 12.04.2012  

Wetterau kämpft weiter für Vielfalt und Toleranz

An Ostern ist es etwas besser als zu Weihnachten. Im Winter hatten Neonazis einigen Bewohnern der Echzeller Wiesengasse das Fest vermiest, jetzt ist die Stimmung besser. Denn ihr Nachbar, ein Anhänger der rechten Szene, sitzt in Untersuchungshaft und seine Kumpels machen sich rar in der Wetterau-Gemeinde.

»Wir sind froh, dass die Spitze der Auseinandersetzungen vorüber ist«, sagt Thomas Alber, der Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes von Echzell. Damit der Rechtsextremismus keine Chance bekommt, nimmt die Gemeinde seit rund einem Jahr an einem Förderprogramm des Bundes teil.

Neben Echzell machen bei dem sogenannten lokalen Aktionsplan Mittlere Wetterau auch die Kommunen Reichelsheim, Wölfersheim und Florstadt mit. Unter dem Motto »bunterleben« laufen Projekte für Vielfalt, Toleranz und Respekt zusammen mit Vereinen und Institutionen vor Ort. Das sei ganz wichtig, betont Alber. »Der Weg ist das Ziel beim Engagement gegen Rechts. Und wir glauben, dass der Weg über Vielfalt, Respekt und Toleranz der gangbare und richtige ist. Sie müssen die Menschen abholen, dann sind sie auch bereit, das zu ihrem Thema zu machen.«

»Problem nur verlagert« 

Die Stimmung habe sich zwar verbessert, sagt Manfred Linss, der Vorsitzende des Echzeller Vereins »Grätsche gegen Rechtsaußen«. Aber: »Die Menschen haben die große Sorge, dass die Ruhe nicht von Dauer ist«. Die »Grätsche« wurde als Reaktion auf die Probleme im Ort gegründet und ist mittlerweile in der ganzen Wetterau aktiv.

Auch Andreas Balser von der »Antifaschistischen Bildungsinitiative«, die die Szene in Hessen beobachtet, sieht eine Verbesserung. »Das Problem ist damit aber nicht gelöst«, warnt er. »Es hat sich nur verlagert.« Denn die Szeneanhänger würden sich nun andernorts treffen, etwa auf Parkplätzen in Florstadt. Auch in Altenstadt beobachtet die Initiative mehr rechte Umtriebe, seit führende NPD-Köpfe in den Ort gezogen seien. Die Wetterau gilt als ein Schwerpunkt der rechten Szene in Hessen. Das will die Region nicht hinnehmen.

Rund 250 Menschen demonstrierten vor zwei Wochen in Altenstadt gegen eine NPD-Parteiveranstaltung in der Wetterau-Gemeinde. Für Balser ein Erfolg, denn: »Es haben sich alle gesellschaftlich relevanten Gruppen beteiligt.« Zudem habe bei der Bürgermeisterwahl in Altenstadt Anfang April der NPD-Kandidat keine Chance gehabt.

Mehr Prävention 

Balser bemerkt ein größeres Interesse am Thema Rechtsextremismus und an denen, die sich dagegen engagieren, seitdem im Herbst die Morde der Zwickauer Terrorzelle bekannt wurden. Allerdings: »Die Politik hat keine Konsequenzen gezogen, es gibt keine schärferen Gesetze, nicht mehr Initiativen oder Programme gegen Rechts.« Es sei auch nichts mehr für die Prävention getan worden, damit etwa Jugendliche erst gar nicht in rechtsextreme Kreise geraten. »Die Politik hat noch keine Lehren gezogen.«

© Wetterauer Zeitung 11.04.2012  

Taktischer Wechsel bei »Grätsche gegen Rechtsaußen«

Die Mitglieder der »Grätsche gegen Rechtsaußen« haben einen neuen Vorstand. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung wurde Manfred Linss als Vorsitzender gewählt.

Die bisherige Vorsitzende Olivia Bickerle wird Stellvertreterin. Frank Stulz ist Kassenwart, Michael Bruder Pressereferent. Die Kassenprüfer sind Ilona Christoph und Peter Bickerle. Martina Schubert bleibt Schriftführerin.

Neben einer erfreulichen Mitgliederentwicklung (15 neue Mitstreiter) beleuchtete man die Projekte des vergangenen Jahres. Sehr erfolgreich sei die Lesung und Filmvorführung des Buchs »Der Junge im gestreiften Pyjama« von John Boyne gewesen, für die der Verein Wulf Hein als Referenten gewinnen konnte. Das Festival »Gemeinsam gegen Rechtsaußen« habe gezeigt, wie viele Menschen sich über politische und religiöse Unterschiede hinweg für eine gemeinsame Sache solidarisieren können. Ein Dank an alle Helfer und Unterstützer schloss sich an.

»Ein wenig stolz sind wir schon«, sagte Bickerle während der Sitzung. Im Vorjahr habe der Verein mit »best2011« (Hessischer Jugendring) und »Aktiv 2011« (Bündnis für Demokratie und Toleranz) zwei Preise gewonnen, die »uns bestärken, mit unserer Arbeit weiterzumachen«.

Eine weitere Ehrung habe der Verein mit einer Einladung zur Gedenkveranstaltung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Berlin erhalten, bei der Manfred Linss Bundespräsident Joachim Gauck persönlich kennenlernen durfte.

In diesem Jahr will die »Grätsche« neben der Teilnahme am Echzeller Kirchplatzfest, wieder eine Lesung veranstalten. Außerdem gibt es am 30. September eine Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Buchenwald, an der auch Nicht-Mitglieder teilnehmen können. Weitere Projekte seien in Planung, aber zum Zeitpunkt der Versammlung noch nicht abschließend beschlossen.

»An Demo in Lollar teilnehmen«

Der Verein hat dazu aufgerufen, am Samstag an der Demonstration in Lollar teilzunehmen. Dort und in anderen Orten im Landkreis Gießen waren in jüngster Zeit immer wieder Nazi-Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen zu beklagen. Zudem tauche seit mehreren Jahren eine Clique junger Nazis aus dem Kreis Gießen und dem Vogelsberg bei diversen Veranstaltungen auf. »Es wird Zeit, auf die Nazis vor Ort aufmerksam zu machen. Wir fordern die Bewohner der Region dazu auf, sich den Nazis, aber auch dem alltäglichen Rassismus entgegenzustellen«, so der neue Vorsitzende Linss.

© Wetterauer Zeitung 10.04.2012  

Frankfurter Rundschau – 250 Menschen demonstrieren in Altenstadt

Beim NPD-Landesparteitag wird Daniel Knebel zum neuen Landeschef gewählt. Hunderte Menschen demonstrieren gegen die NPD-Versammlung.

Etwa 250 Menschen haben am Samstagnachmittag in Altenstadt gegen den Landesparteitag der hessischen NPD demonstriert. Die rechtsextreme Partei hatte sich von 13 Uhr an das Gemeinschaftshaus in der Waldsiedlung reserviert, unter anderem, um einen neuen Landesvorsitzenden zu wählen.

Die vom Altenstädter Ortsverband der Grünen angemeldete Gegenkundgebung auf dem etwa 100 Meter entfernten Josef-Schulmeister-Platz war von 14 bis 16 Uhr genehmigt. Mehrere Initiativen, Verbände, Vereine und Parteien aus der Region hatten zur Teilnahme aufgerufen. Mit Redebeiträgen, Musik, Transparenten und Infoständen protestierten sie friedlich gegen das NPD-Treffen, bei dem der bisherige Hessen-Vize Daniel Knebel zum neuen Landeschef gewählt wurde. Laut Polizei waren etwa 80 NPD-Anhänger zum Parteitag gekommen. Dieser endete etwa gegen 16 Uhr, und es schloss sich eine als „öffentliche Saalveranstaltung der NPD zur Bürgermeisterwahl“ deklarierte Veranstaltung an.  

Denn der erst vor kurzem nach Altenstadt gezogene Daniel Knebel steht nun nicht nur dem NPD-Landesverband vor, er kandidiert in dem Wetterau-Ort auch für die Bürgermeisterwahl am 1. April. Unter anderem deswegen hat die Gemeinde der NPD das Gemeinschaftshaus nicht verweigert. Hätte sie das getan, hätte Knebel die für ihn ohnehin chancenlose Wahl anfechten können mit der Begründung, er sei im Wahlkampf behindert worden. Dies sei jedoch nicht der Hauptgrund, weshalb man nichts habe gegen das Treffen ausrichten können, sagt der Altenstädter Bürgermeister Norbert Syguda (SPD). „Als zugelassene Partei genießt die NPD nun mal das Recht auf Versammlungsfreiheit.“

Knebel werden Kontakte in die gewaltbereite Szene nachgesagt 

Entsprechend plädierten viele Redner auf der Gegendemonstration dafür, endlich das Verbotsverfahren gegen die NPD auf den Weg zu bringen. Es gehe nicht an, dass sie sich „unter dem Deckmantel der Demokratie öffentliche Gebäude sichert“, sagt der Grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Frömmrich. Und das, obwohl sie selbst eine menschenverachtende, undemokratische“ Partei von „Neo-Faschisten“ sei. „Dass sie sich hier treffen können und wir ihnen dafür auch noch Räumlichkeiten zur Verfügung stellen müssen, ist unerträglich“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. Ulrich Wilken von der Landtagsfraktion der Linken ärgert sich nicht nur darüber, „dass diese braune Brut wie selbstverständlich in unseren Häusern tagt“, sondern auch „über jeden Haushaltsbericht, in dem steht, wie viel Geld die Nazis bekommen“ sowie über die V-Leute und die vermeintlich „wichtigen Erkenntnisse“, die sie lieferten. „Wo waren denn diese wichtigen Erkenntnisse, als die NSU gemordet hat?“ 

Auch die Verbindungen der NPD in die militante Neonazi-Szene, zu den Freien Kameradschaften und den Autonomen Nationalisten, sowie Bezüge zu den rechten Terroristen und Mördern der NSU werden in den Redebeiträgen immer wieder angeprangert. Was besonders im Hinblick auf den neuen NPD-Chef bedeutsam ist. Dem 1984 geborenen Daniel Knebel werden enge Kontakte in die gewaltbereite Neonazi-Szene nachgesagt. Und er gibt diese sogar unumwunden vor Presse und Kamera zu, als er als frisch gewählter NPD-Landeschef gegen 15 Uhr aus dem Dorfgemeinschaftshaus tritt. „Ja, ich habe Kontakte zu Freien Nationalisten, und die möchte ich auch weiter halten.“ Aber das bedeute nicht, „dass ich auch militant bin“. Im Übrigen tue es ihm „nicht weh“, sich von den Morden der NSU zu distanzieren.

Eine knappe Stunde später endet der Parteitag, die NPDler singen das Deutschlandlied, alle drei Strophen. Und die Versammlung im Saal bekommt Zuwachs: Autos mit auswärtigen Kennzeichen mit Ziffern wie 1488 (die 14 steht im rechten Zahlencode für den aus 14 Wörtern bestehenden Kampfruf des amerikanischen Rechtsextremisten David Lane, die 88 steht für „Heil Hitler“) fahren vor, junge Männer mit kurzgeschorenem Haupt und tätowierten Gliedmaßen marschieren auf, auch ein paar nicht minder martialisch anmutende Frauen sind dabei. Schwer vorstellbar, dass sie gekommen sind, um sich über die Altenstädter Bürgermeisterwahl und den Kandidaten Daniel Knebel zu informieren. Zumal, da die „öffentliche Saalveranstaltung“ fünf Euro kosten soll.

Tatsächlich dürften die ab etwa 16 Uhr eintreffenden Rechtsextremen eher wegen des Liedermachers angereist sein, der das braune Publikum mit entsprechender Musik beglückt. Auch die Polizei geht zu diesem Zeitpunkt längst von einem Konzert aus, gegen das allerdings nicht viel zu machen sei, sagt Sprecher Jörg Reinemer. Biertrinken und Musikhören im Anschluss an eine Parteiveranstaltung sei schließlich nicht verboten. Das gelte nun mal auch für die NPD. Und die hat das Gebäude der Gemeinde Altenstadt für die ganze Nacht gemietet.

Weiße Rosen gegen braune Gewalt 

Auf dem 100 Meter entfernten Josef-Schulmeister-Platz hingegen löst sich die Gegendemonstration wie vereinbart um 16 Uhr auf. Es mache ihn allerdings „stinksauer, dass die NPD ihre Veranstaltung durchziehen kann und dann auch noch ein Rechtsrock-Konzert dranhängt“, sagt Andreas Balser, Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau (Antifa-BI), die die Kundgebung mitorganisiert und unter anderem „weiße Rosen gegen braune Gewalt“ verteilt hat. Mit tausenden Flyern hat sie versucht, Menschen zum Protest zu bewegen. Dass dem Aufruf dann nur etwa 250 gefolgt seien – die Polizei spricht sogar nur von 150 – sei schade, aber man sei dennoch zufrieden, „weil es immerhin gelungen ist, viele verschiedene Gruppen zu mobilisieren, vom Christ bis zum Punk“. So sieht es auch Karl Ventulett vom Altenstädter Ortsverband der Grünen, der die Demo angemeldet hat. „Wir haben der NPD ein breites Spektrum an Gegnern präsentiert und wir haben friedlich gegen diese Kerle demonstriert.“ 

Nichtsdestotrotz bleibt eine gewisse Enttäuschung über die eher geringe Teilnehmerzahl. „Eigentlich hatten wir mal vor, die Versammlung der NPD zu blockieren“, sagt Hans Christoph Stoodt von der Anti-Nazi-Koordination Frankfurt, die mit etwa zehn Mitgliedern nach Altenstadt gekommen ist. Doch für Blockaden seien einfach zu wenige da. „Das ist heute einfach ein ungünstiger Termin, verweist Stoodt auf die große Anti-Fluglärm-Demo in Frankfurt sowie auf ein Vorbereitungstreffen für die Anti-Kapitalismus-Demo am 31. März soll. „Alles, was links ist, ist heute irgendwie in Frankfurt unterwegs.“

Zumindest die Polizei ist zufrieden mit dem Verlauf der Gegenkundgebung. Den „mehreren Dutzend“ Einsatzkräften sei es gelungen, „einen friedlichen und störungsfreien Ablauf zu gewährleisten“, teilte Sprecher Jörg Reinemer mit. Die Besucher der NPD-Veranstaltung seien kontrolliert worden, in zwei Autos habe man CDs mit Musik sichergestellt, die nun auf möglicherweise strafrechtlich relevante Inhalte zu überprüfen seien. In einem dritten Auto sei außerdem ein Messer gefunden worden.  

© Frankfurter Rundschau 26.03.2012