Alle Beiträge von Administrator

Wetterauer Zeitung – 58-Jähriger von Rechtsetxremen angegriffen

Video der Tat im Internet aufgetaucht – Vorwürfe gegen Polizisten: Mit der Situation überfordert gewesen

Ein 58jähriger Mann aus der Wiesengasse ist von Anhängern der rechtsextremen Szene angegriffen und verletzt worden. Nachdem Werner Schubert sich mit seinem Nachbarn, seit dessen Zuzug es häufig Ärger in der Straße gibt, gestritten hatte, wurde er von einer Gruppe offensichtlich Gäste des Szenemitglieds zu Boden gerissen, überwältigt und der Hose beraubt. Damit nicht genug: Die Tat, die sich bereits in der Nacht zum 9. Mai ereignete, ist mit einer Überwachungskamera aufgenommen und jetzt ins Internet gestellt worden versehen mit hämischen Kommentaren.

Nach Veröffentlichung des rund sechs Minuten langen Videos wurden Vorwürfe gegen die Polizisten laut, die in dieser Nacht aus einem anderen Grund vor Ort waren. Sie seien mit der Situation überfordert gewesen, kritisiert Olivia Bickerle, die Sprecherin der Bürgerinitiative »Grätsche gegen Rechtsaußen«, der auch Werner Schubert angehört. Zwar hätten die Beamten versucht, dem Mann zu helfen. »Doch sie waren nicht in der Lage, deeskalierend einzuwirken.« Aus diesem Grund hätten die, Anwohner versucht, einen zweiten Streifenwagen anzufordern, doch das sei vehement abgelehnt worden. »Wenn das auf ein personelles Problem zurückzuführen ist, muss Unterstützung vom Land her«, fordert Bickerle. Auch an der Geisteshaltung eines Polizisten stört sie sich: In einem späteren Gespräch mit den Anwohnern sei er gefragt worden, was er an ihrer Stelle tun würde. Seine Antwort: wegziehen, es würde sich ohnehin nichts ändern. Vorwürfe einer anderen Zeitung, nach denen die Polizisten tatenlos zugeschaut hätten, wie Werner Schubert attackiert wurde, weist Polizeipressesprecher Jörg Reinemer zurück: Bei genauem Hinschauen lasse sich auf dem Video erkennen, dass ein Kollege sofort eingeschrittten sei. Der untätige Mann, der von dem Macher des Videos als Polizist gekennzeichnet wurde, sei kein Beamter, sondern Praktikant und habe somit keine Eingriffsbefugnis.

Die Polizei war kurz nach Mitternacht in die Wiesengasse gefahren, weil es dort wieder einmal zu laut zugegangen war. Nachbarn hatten sich über den Partylärm von nebenan beschwert, weshalb die Polizei auch eingriff. Während sie den Störenfried zur Ruhe ermahnte, kam das spätere Opfer hinzu. Wie Schubert selber sagt, habe er den Nachbarn darauf ansprechen wollen, dass dieser offenbar die Kamera vor Schuberts Haus verbogen habe. »Die Hausfront überwachen wir schon jahrelang, nicht erst, seitdem er hier wohnt«, betont der 58Jährige.

Wie auch auf dem Video zu hören ist, blieb es nicht bei einem ruhigen Meinungsaustausch. Schnell wurde es laut, Schimpfworte fielen, »und er hat mir Alkohol ins Gesicht geschüttet«, sagt Schubert. Etwas davon muss wohl auch ein Polizist abbekommen haben, denn der wusch sich, so der Polizeipressesprecher, gerade das Hemd aus, als die Situation wenig später eskalierte, draußen auf der Straße.

Das Video zeigt, .wie der zuvor aufgebrachte Schubert das Haus des Nachbarn relativ ruhig verlässt, im Anwesen gegenüber seinem eigenen verschwindet, mit einer Leiter wiederkommt, sie ans Haus des Nachbarn lehnt und hochsteigt. »Ich habe überlegt, was machst du jetzt, und dachte mir, die Kameras von dem drehst du auch um, dann kann er die Straße nicht mehr überwachen«, erzählt Schubert. »Das war unüberlegt.« An das, was folgt, könne er sich so gut wie nicht mehr erinnern. Doch er rekonstruiert die nächsten Minuten anhand des Videos, »das ich mir bestimmt hundertmal angeschaut habe«. Der Film zeigt, wie Schubert von einem aus dem Haus stürmenden Mann von der Leiter gezerrt und von mehreren Personen überwältigt und zu Boden gedrückt wird. Er wird hin und hergerissen und verliert in dem Gerangel seine Hose. Am Ende flüchtet Schubert halbnackt in sein Haus.

Anzeigen wegen Körperverletzung haben beide Seiten gestellt. Schubert hat eine mehrere Zentimeter lange Platzwunde davongetragen, sein ganzer Körper sei zerkratzt gewesen, weil er über den Gehweg gezogen wurde. Sein Anwalt werde sich aber auch darum kümmern, dass das Video vom Netz genommen wird. Ob das Einstellen rechtmäßig war, überprüft auch die Polizei. Wegen der Vorwürfe gegen die Beamten sei der Fall zudem an die Staatsanwaltschaft Gießen weitergeleitet worden, die aber kein Fehlverhalten der Beamten habe festgestellt können, sagt Polizeisprecher Reinemer.

Auch das Ordnungsamt hat sich eingeschaltet. »Das Video ist eine Steilvorlage«, sagt Amtsleiter Thomas Alber. »Denn es ist ein Hinweis darauf, dass der Mann die Straße mit Kameras überwacht. Zulässig ist aber nur die Überwachung des eigenen Hauseingangs.«

»Wir waren eine gute Gemeinschaft im alten Ortskern von Gettenau bis er hierher gezogen ist«, erzählt Werner Schubert. »Er passt nicht hierher, er passt nicht in diese Welt mit seinem menschenverachtenden Gedankengut. Wir versuchen, dass hier wieder Harmonie reinkommt, aber das ist eine langwierige Sache.«

Entmutigen lassen wollen sich die Anwohner nicht. Am 28. August ist ein Festival »Gemeinsam gegen Rechts« geplant, das die Bürgerinitiative und die Sportjugend auf dem Gettenauer Sportplatz veranstalten. Die Schirmherrschaft hat Bürgermeister Dieter Müller übernommen. Los geht’s um 16 Uhr mit Sport und Spielangeboten für die ganze Familie. Eine Ausstellung zu Rechtsextremismus wird es geben, außerdem eine Fotoaktion mit Prominenten. Der »Rock gegen Rechts« beginnt um 19 Uhr: Fräulein Wunder und Hartmann spielen.

© Wetterauer Zeitung 08.07.2010

 

Lesen Sie hier den Leserbrief von Wolfgang Kaiser – Pfarrer aus Wölfersheim auf diesen Artikel.

FR-Online – Polizei in Echzell – Empörung über rechte Gewalt

Nach dem Bericht über ein Video mit rechtsextremer Gewalt in Echzell weist die Polizei den Vorwurf der Tatenlosigkeit zurück. Die zu sehende Person habe nicht eingreifen dürfen. Von Bruno Rieb

Der Bericht der Frankfurter Rundschau über ein Video mit rechtsextremer Gewalt in Echzell auf der Internetplattform Youtube hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Das Medieninteresse an den Verhältnissen in Echzell sei nun enorm, berichtete gestern Olivia Bickerle, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) gegen Rechts in Echzell.

Sie fordert eine stärkere Präsenz der Polizei in der Straße und eine intensivere Beobachtung der Rechtsextremen. Die Polizei sei bei dem Angriff der Rechten überfordert gewesen, urteilt Bickerle.

Die Polizei weist den Vorwurf der Tatenlosigkeit zurück. Zwar habe ein Polizist der Schlägerei nur zugesehen, räumt Jörg Reinmer, Sprecher der Polizei in Friedberg, ein. Es handele sich hier aber um einen Praktikanten, der nicht eingreifen durfte. Das Video zeigt den Mann, wie er auf der Straße – zwischen Streifenwagen und Schlägerei – nur hin und her läuft.

Ein anderer Beamte habe versucht, Schläger und Opfer zu trennen, sagt Reinmer. Dabei habe das Opfer die Hose verloren. Ein dritter Polizist sei in der Hofreite gewesen und habe sein Hemd gereinigt. Die Polizei sei bereits vor Ort gewesen – wegen Ruhestörung, die von der Hofreite des Rechtsextremen ausgegangen sei. Die Musik sei bereits leiser gedreht gewesen, als die Situation eskalierte.

Das Opfer, Bewohner des Nachbarhauses und Mitglied der BI, protestierte gegen die Videokameras des Rechtsextremen. Der hatte mit seinem Tätowierstudio Old Brothers und dem Versand von T-Shirts einschlägige Bekanntheit erlangt. Seine Hofreite nennt er „Old Brothers Castle“.

Zwei Kameras überwachen die Straße. Mit einer wurde das auf Youtube veröffentlichte Video aufgenommen. Es zeigt, wie ein Mann durch einem Schlägertrupp von einer Leiter gezerrt und ihm die Hose ausgezogen wird. Es ist unterlegt mit hämischen Kommentaren und wurde ins Internet gestellt, um die Bürgerinitiative einzuschüchtern.

© FR-Online 2010  

Hessischer Rundfunk – Maintower vom 7.7.2010

Nach dem vergeblichen Versuch die Kameras am gegenüberliegenden Haus, das Haus eines bekannten „national eingestellten“ und vorbestraften Mannes, auf legalem Weg von den Behörden abmontieren zu lassen, wehrte sich Werner Schubert und wurde von Gästen einer Party verletzt und gedemütigt. Bei dem Versuch die Kameras, die nicht nur das Haus von Patrick W. sondern gleich die Häuser gesamte Nachbarschaft mitüberwachte zu demontierenm, wurde er im Beisein einer Polizeistreife massiv angegriffen, wie das Video belegt. Stolz stellte Patrick W. das Video anschließend bei Youtube ein.

 

 

{mp4}hrmaintower07072011{/mp4}

 

Wetterauer Zeitung – Zeichen gegen Rechts setzen

(dab). Die Gemeindevertreter haben in ihrer jüngsten Sitzung der Resolution gegen Rechtsextremismus zugestimmt, den die Mitglieder des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, Umwelt und Soziales erarbeitet hatten (die WZ berichtete). Nachdem Ausschussvorsitzende Barbara Henrich den Text vorgetragen hatte, brandete Beifall im voll besetzten Großen Kolleg der Horlofftalhalle auf. Einige Mitglieder der Bürgerinitiative »Grätsche gegen Rechtsaußen« hatten sich für die Sitzung weiße T-Shirts übergezogen, auf denen sie für ihre Sache warben. Geplant ist eine Veranstaltung Ende August, bei der Resolution öffentlich vorgestellt werden soll. Kernaussage ist, dass die Echzeller Bürger friedlich mit allen Menschen zusammenleben wollen. »Wir stehen für ein menschliches, weltoffenes und tolerantes Echzell«, heißt es denn auch gleich zu Anfang der Resolution. »Hass und Gewalt, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus dürfen in unserer Gemeinde keine Chance haben.«

Die Initiative gegen »Rechtsaußen« hatte sich nach dem Angriff auf einen Familienvater Ende Oktober 2009 gegründet: Die Gäste einer Party bei dessen Nachbarn hatten den Mann geschlagen und getreten, weil er sich über die Ruhestörung beschwert hatte. Sowohl der zugezogene Gastgeber als auch seine Besucher werden der rechtsextremen Szene zugeordnet.

© Wetterauer Zeitung 23.06.2010

Gemeinderesolution Juni 2010

Gemeinde Echzell

– Der Gemeindevorstand –

An alle Echzeller Bürgerinnen und Bürger Resolution gegen Rechtsextremismus Wir stehen ein für ein menschliches, weltoffenes und tolerantes Echzell, für das friedliche Zusammenleben aller Menschen, ungeachtet ihrer Weltanschauung, sexuellen Orientierung, Behinderung, Religion, Kultur, Herkunft oder Hautfarbe. Hass und Gewalt, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus dürfen in unserer Gemeinde keine Chance haben. Daher rufen wir alle Echzeller Bürgerinnen und Bürger auf, mit uns gemeinsam für diese Ziele einzutreten. Mit Mut, Entschlossenheit und Zivilcourage wollen wir zusammenstehen gegen das Wegschauen und die Gleichgültigkeit. Der Gemeindevorstand und die Gemeindevertreterversammlung der Gemeinde Echzell erklären, dass sie alles unternehmen werden, diese Ziele zu wahren. Die Gemeinde Echzell wird alle rechtlichen Möglichkeiten wahrnehmen, die Aktivitäten der Rechtsextremen in Echzell zu unterbinden. Zusammen mit der Echzeller Bürgerinitiative für Demokratie „Grätsche gegen Rechtsaussen“ und der Bürgerschaft der Großgemeinde Echzell werden wir dafür eintreten, dass Rechtsextremismus in unserer Gemeinde keine Chance haben wird. Wir wollen, dass in Echzell kein Mensch Angst haben muss vor Verfolgung und Gewalt. (Diese Resolution hat die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am 21. Juni 2010 einstimmig beschlossen und verabschiedet.)

Der Gemeindevorstand

gez. D. Müller Bürgermeister

 

 

*Um die Pressemitteilung lesen und ausdrucken  zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.

Wochenzeitung Echzell – 42. Fronleichnamturnier bei der Handballabteilung des TV 1898 Gettenau e.V.

TV Gettenau

Das Turnier startete am 3. Juni 2010 pünktlich mit Sonnenschein und den Aktivenmannschaften auf dem Sportplatz in Gettenau. Es meldeten sich dieses Jahr insgesamt 11 Herren- und 10 Damenmannschaften, die gegeneinander in je zwei Gruppen spielen konnten. Bei den Herren kam es zu folgenden Platzierungen: Platz 1 belegte die SM Wetterau, Platz 2 der TSV Griedel, Platz 3 der TV Gettenau und Platz 4 die SU Ndr. Florstadt. Der Fairneßpokal ging an den TSV Griedel. Bei den Damen wurde die HSG Gedern/Nidda I Turniersieger, Platz 2 belegte die SU Ndr. Florstadt, Platz 3 der TV Gettenau und den vierten Platz belegte der TSV Griedel.

Hier ging der Fairneßpokal an die HSG Gedern/Nidda. Am Freitag kamen die Gaudimannschaften zum Einsatz. Für manche auf den Feldern war es die erste Begegnung mit einem „Handball“ . Daher wurde dies mit sehr viel Applaus belohnt! Vor der Siegerehrung wurden der Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechts“ ein Scheck in Höhe von 125,00 EUR von dem Sportkreisvorsitzenden Thomas Alber und dem Mitarbeiter Thomas Stoll überreicht. Im Vorfeld wurde vereinbart, dass die Bürgerinitiative für jedes erzielte Tor 25,00 Euro zur Unterstützung und Umsetzung ihrer Ziele erhält.

Turniersieger und somit auch Wanderpokalgewinner wurde wiederum der KSV Bingenheim. Anschließend wurde bei der Zeltdisco mit Cocktailbar bis in die Morgenstunden gefeiert. Am Samstag waren dann unsere Jugendmannschaften dran. Es ging los mit der männlichen und weiblichen Jugend B sowie der weiblichen Jugend C. Außerdem waren unsere jüngsten im Verein – die Minis Anfänger voll bei der Sache. Bei den Mini’s Anfänger nahmen der TV Gettenau I und II, der SV Rosbach und die SU Ndr. Florstadt teil. Bei einigen „Minis„  waren es die ersten Handballversuche. Dies wurde mit viel Applaus und Lob gefeiert. Bei der Siegerehrung wurden alle Minimannschaften mit Medaillen und Naschtüten als Turniersieger ausgezeichnet!

Bei der MJB und WJB wurde die TG Friedberg und bei der MJC wurde die Heimmannschaft JSG Gettenau/Florstadt I Turniersieger.

Am Sonntag begann das Turnier mit der männlichen und weiblichen Ju-gend E. Weiter ging es gegen Mittag mit der männlichen und weiblichen Jugend D. Turniersieger wurde bei der MJE die TG Friedberg, bei der WJE die SG Bruchköbel, bei der MJD der TV Hüttenberg II und bei der VVJD die JSG Gettenau/Florstadt. Mit dieser Siegerehrung war das 42. Fronleichnamturnier in den letzten Zügen. Es war für die Handballabteilung ein sehr sonniges, sportliches und erfolgreiches Wochenende. Bedanken möchte sich der TV Gettenau an dieser Stelle bei allen fleißigen Helferinnen und Helfern! Ohne deren Hilfe ist die Durchführung dieses Turnier es nicht möglich! Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr und hoffentlich auch auf Eure Hilfe.

Über ein Feedback – sei es positiv oder auch negativ – würden wir uns freuen. 

(Der Vorstand) 

© Wochenzeitung Echzell 18.06.2010

 

Wetterauer Zeitung – Unbekannte besprühen Kirche mit Hakenkreuzen

(khn). Mit drei Hakenkreuzen haben Unbekannte die evangelische Kirche beschmiert. Wie die Polizei berichtete, hatten die Täter zwischen Freitagmittag und Sonntagnachmittag die Nazi-Symbole mit silberner Farbe an die Nordseite des Gebäudes gesprüht. Weitere Hinweise erbittet die Polizei in Friedberg unter der Telefonnummer 0 60 31/60 10. 

© Wetterauer Zeitung 2010

Kreis-Anzeiger – Polizeieinsatz bei Party in Echzell

(pd). Eine gut besuchte, jedoch nicht genehmigte Party wurde am Samstagabend in der Wiesengasse auf Weisung des Ordnungsamtes beendet. Ein 24-jähriger Echzeller hatte in den letzten Tagen auf einer Internetplattform zu einer öffentlichen Party auf seinem Anwesen eingeladen. Nach Ansicht des Ordnungsamtes hatte der Echzeller ohne die erforderliche Anmeldung einen unbestimmten Personenkreis zu einer Feier eingeladen. Als die Feier dann trotzdem stattfand, wurde dem 24-Jährigen gegen 22.15 Uhr mitgeteilt, dass er die Veranstaltung sofort beenden muss. Dieser Weisung kamen die etwa 50 bis 60 allesamt über 18-jährige Besucher nach und verließen gegen 23 Uhr friedlich und unter Beobachtung der Polizei das Anwesen.

© Kreis-Anzeiger 2010 

 

 

*Um den Pressebericht ansehen zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.

Kreis-Anzeiger – Gegen den „Ausbau eines Stützpunkts der Ultrarechten“

(pha). Abzuwarten, bis es immer öfter zu Eskalationen komme, sei ein häufiger Fehler, den Bürger und Kommunen im Umgang mit Rechtsextremen machten. Deshalb freute sich der Soziologe Helge von Horn vom Beratungsnetzwerk Hessen über das große Interesse an der ersten Veranstaltung der neugegründeten Echzeller Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“.

Die Bürgerinitiative habe sich unter anderem gegründet, um den Ausbau „des Stützpunktes einer ultrarechten Gruppierung“ zu verhindern, heißt es im BI-Flyer. Dass so schnell reagiert wurde und der Vortrag zum Thema Rechtsextremismus am Mittwoch im Saal „Zum Stern“ von so vielen Bürgern, Vereinsvertretern, Vertretern der Kirchen und der Kommunalpolitik besucht wurde, hält der Soziologe für ein gutes Zeichen. „Oft reagieren die Bürger erst, wenn es zu schweren Eskalationen gekommen ist. Dann ist es aber umso schwerer, etwas gegen die Extremisten zu tun.“

Wie Olivia Bickerle von der Bürgerinitiative berichtete, hätten einige Mitglieder der ultrarechten Gruppe versucht, in den Saal zu kommen. Zuvor hätten sie angekündigt, den Laden „aufzumischen“, sagte Bickerle. So fand der Vortrag unter den Augen der herbeigerufenen Polizei statt, die auch in diesem Bereich Streife fuhr. Die Interessengemeinschaft bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung durch die Gemeinde und die Polizei.

Das Bild der Rechtsextremisten nach außen habe sich in den vergangenen zehn Jahren verändert, berichtete der Soziologe von Horn. Es seien längst nicht mehr die Männer in Bomberjacken, hohen Schnürstiefeln und Glatze, die mit Baseballschlägern durch die Straßen liefen. Trotzdem zogen einige Personen im hinteren Bereich des Saales die Blicke auf sich. Sahen sie doch genauso aus, wie man sich den typischen Rechtsextremen vorstellt. Doch war genau das Gegenteil der Fall. Es waren Bekannte des Dozenten, die später im Gespräch erklärten: „Nicht alle Skinheads sind Rechtsextremisten. Doch die, die es sind, machen unseren Ruf kaputt.“

Die alte Weisheit „Kleider machen Leute“ lässt sich in diesem Bereich nicht mehr anwenden. Wie Demonstrationen bewiesen, trügen Rechtsextreme heute sogar Kleidung, die man früher Autonomen zuordnete, wie etwa das Palästinenser-Tuch. Auch die Parolen würde man auf den ersten Blick eher den Linken zuordnen. Das gesamte äußere Bild und die Vorgehensweise seien komplizierter geworden, so von Horn.

Der Soziologe vermittelte im Laufe seines Vortrages ein Bild der Rechtsextremisten, das dazu aufforderte, heute wachsamer denn je zu sein. Gerade weil sie nicht mehr so offensichtlich zu erkennen seien, müsse man sich mehr mit der Szene beschäftigen. Die rechte Szene besitze eigene Musik- und Modenamen. Aus Unwissenheit habe eine große Kaufhauskette Kleidung des Herstellers „Thor Steinar“ kurzfristig ins Sortiment aufgenommen, berichtete von Horn. Des weiteren wies er auf die Modemarke „Consdaple“ hin, in deren Namen sich die Abkürzung NSDAP verstecke. In einschlägigen Tattoo-Studios ließen sich die Anhänger der rechten Szene oft Symbole stechen, wie etwa Runen, die „Schwarze Sonne“ oder Zahlen wie „88“ (zweimal der achte Buchstabe des Alphabets: HH für Heil Hitler) oder die „18“ (der erste und achte Buchstabe des Alphabets für Adolf Hitler). Auch hier mahnte von Horn jedoch wieder, dass nicht alle Runen gleich mit Rechtsextremismus in Verbindung zu bringen seien. So sei etwa „Thors Hammer“ auf fast jedem Mittelaltermarkt zu finden. Viel wichtiger seien die eigenen Bekleidungsgeschäfte und Tattoo-Studios aber als Kommunikationszentralen für die Szene. In Sachen Kommunikation seien die Rechtsextremisten ebenfalls auf dem neuesten Stand der Technik. Dabei spiele mittlerweile auch das Internet eine sehr große Rolle. Es gebe inzwischen sogar Single-Börsen der Rechten im Internet. Diese seien für Außenstehende auf den ersten Blick nicht zu erkennen, da jeder Hinweis in Schrift oder Symbolik fehle. Warum Single-Börsen so wichtig seien, erklärte der Soziologe damit, dass ein neuer Partner der häufigste Grund dafür sei, dass Mitglieder der Szene ausstiegen.

Neue Taktik Auch hob von Horn die neue Taktik der Rechtsextremsten hervor, sich durch Spenden für Vereine und wohltätige Zwecke beliebt zu machen und sich auch in Vereinsvorstände wählen zu lassen. Säßen sie fest im Sattel, würden sie ihre wahre Gesinnung bekannt geben und hofften darauf, dass die Mitbürger sie weiter gewähren ließen mit der Begründung: „Er ist zwar ein Rechter, aber er macht doch seine Arbeit gut.“

Als „Einstiegsdroge“ bezeichnete von Horn die Musik der rechten Szene, die oft als kostenlose Schulhof-CD in Massen verteilt würde. Nach ersten Erfahrungen mit der Indizierung seien auch hier die Texte weniger eindeutig geworden, um strafrechtlich keinen Ansatzpunkt zu bieten. Die Rechtsextremen zielten hierbei besonders auf die Zwölfbis 14-Jährigen, erklärte der Dozent.

Eine der rechten Szene nahestehende Partei, die NPD, habe ein Durchschnittsalter der Mitglieder von 25 Jahren, sei also weit entfernt von einer Altherren-Partei. Diese Verjüngung sei eine Folge der Wende 1989. Allerdings sei Rechtsextremismus kein Problem der neuen Bundesländer. Umfragen hätten ergeben, dass die Ausländerfeindlichkeit in Ostdeutschland öfter zu finden sei, Antisemitismus dagegen in Westdeutschland häufiger auftrete. Insgesamt würden nach Untersuchungen etwa acht bis zehn Prozent der deutschen Bevölkerung dem rechtsextremen Gedankengut nahestehen und daraus könne die Szene ihre Mitglieder schöpfen.

Für die besorgten Eltern hatte von Horn nur den Rat, die Augen offen zu halten, die Kinder und ihren Umgang zu beobachten und auch zu diskutieren. Die Argumente der Rechten seien unlogisch und leicht auszuhebeln. Man müsse es nur tun, riet von Horn.

Der Wetteraukreis sei in Hessen ein „kleiner rechtsextremer Leuchtturm“, mahnte Helge von Horn eingangs. Dagegen wolle die Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“ in Echzell etwas tun und lade alle Bürger ein, mitzumachen. Ansprechpartnerin ist Petra Köhler-Nau. Sie ist montags und mittwochs von 20 bis 22 Uhr und freitags von 9.30 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 0151/1958858 oder per EMail nettenachbarn@yahoo.de zu erreichen.

© Kreis-Anzeiger 2010  

 

 

*Um den Pressebericht ansehen zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.

FR Online – Kampf gegen Rechts

Die Bürger der knapp 6000 Einwohner zählenden Gemeinde Echzell wollen sich mit den rechtsextremen Umtrieben in ihrem Ort nicht abfinden. Sie haben die Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen – Echzeller Bürgerinitiative fürDemokratie“ gegründet.

Vorausgegangen waren zwei Bürgerversammlungen Ende vergangenen Jahres. Das Ziel der BI ist es, „die Ausweitung der rechtsextremen Tendenzen in Echzell und Umgebung zu verhindern und eine gut aufgeklärte Jugend zu schützen und zu fördern“, so die BI in einer Presseerklärung zu ihrer Gründung. Ein rechtsextremer Unternehmer hat im vergangenen Jahr seine Aktivitäten in seine Hofreite in Echzell verlagert, nachdem er seinen Laden in Wölfersheim räumen musste. Dort hatte er einen Tätowierladen namens „Old Brothers“ betrieben und im Internet T-Shirts verkauft, auf denen „Hunting Season“ steht und ein Bild zu sehen ist, auf dem Weiße Farbige erschießen. Der Rechtsextreme mit dem makabren Spitznamen „Schlitzer“ betreibt zudem einen Ordnerdienst und ein Inkassobüro. Firmenzeichen ist einTotenkopf, der an das Symbol der Totenkopfverbände der Waffen-SS erinnert. In der Hofreite des“Schlitzers“ wird oft gefeiert und er versucht, die Dorfjugend durch sein Auftreten zu beeindrucken, berichten Anwohner.

Die BI will das „Rattenfängertum der rechten Gruppierungen“ stoppen. „Wölfe im Schafspelz“ ist dasThema einer Veranstaltung am Mittwoch, 3. Februar, im Gasthaus „Stern“ in der Ringsraße 7 inGettenau, in der sie über Strategien der Rechtsextremen informiert. (ieb)

Die Echzeller Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“ ist montags und mittwochs von 20 bis 22 Uhr und freitags von 9.30 bis 12 Uhr unter Telefon 0151/21958858 zu erreichen.

© Frankfurter Rundschau 2010

 

 

*Um den Pressebericht ansehen zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.