Wetterauer Zeitung – Es geht um Wolfs Schuldnerliste und Vorstrafen

Elfter Verhandlungstag gegen Rechtsradikalen – Zwei offene Bewährungen, als der 26-Jährigee mit Drogen erwischt wurde

Am elften Prozesstag gegen Patrick Wolf  arbeitete sich die siebte Strafkammer am Landgericht Gießen durch  eine Menge Urkunden, darunter Gutachten, eine bei Wolf gefundene Schuldnerliste und ältere Gerichtsurteile gegen den Tätowierer aus Gettenau. Der 26-Jährige steht seit Mitte August vor Gericht: Dem Rechtsradikalen werden unter anderem Drogenhandel, Körperletzung, Volksverhetzung, Beleidigung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Verstöße gegen das Waffenrecht vorgeworfen.  

Urkundenverlesung – vor diesem Tagesordnungspunkt graut es normalerweise jedem Prozessbeobachter. Der Richter liest dabei diverse in Behördensprache formulierte Gutachten in Windeseile vor, das war auch am elften Prozesstag gegen den Patrick Wolf nicht anders. Mit dem Unterschied, dass der Vorsitzende der siebten Strafkammer, Dr. Dietwin Johannes Steinbach, es hier mit einem Angeklagten zu tun hat, der immer wieder unter Beweis stellt, dass er nicht auf den Mund gefallen ist.

Zu Beginn wurden die Gutachten des Hessischen Landeskriminalamts über die fast 4,5 Kilo Amphetamin und knapp 570 Gramm Marihuana verlesen, welche die Polizei bei Wolfs Festnahme Anfang Juli 2011 bei dem Angeklagten sicherstellten. Das Ergebnis der Analysen aller Kürze: Ja, es handelt sich bei den gefundenen Substanzen um Drogen.

Auch eine Schuldenliste stellten die Beamten sicher, ein offenbar klassisches marktwirtschaftliches Instrument in der Drogendealer-Branche. Dutzende Namen waren da verzeichnet, hinter jedem Eintrag war eine Zahl vermerkt. Insgesamt zeigt Wolfs Buchführung Außenstände von über 8000 Euro auf, doch der Betreiber eines Tätowierstudios bestritt, dass es sich dabei nur um Schulden aus Drogendeals gehandelt habe.

Vielmehr erklärte der Angeklagte dem Gericht zu jedem einzelnen Punkt, wie die Geldforderung zustande gekommen sei. Mal ein Darlehen beim Besuch des Hessentags, dann wieder Schulden für Tätowierungen, nicht bezahlte Taxi-Rechnungen, Mietschulden, Kosten für ein Gerichtsverfahren oder für Autoteile. Doch in einigen Fällen, so Wolf, handele es sich auch um Beträge aus Drogengeschäften. »Die hatte ich bekommen, um sie an den Lucas (mutmaßlicher Drogendealer, Anm. d. Red.) weiterzugeben. «Nach Wolfs Darstellung war er selber bei Drogengeschäften nur als Vermittler in Erscheinung getreten.

Anschließend verlas das Gericht mehrere Urteile, die in der Vergangenheit gegen Wolf gefällt worden waren. So erging durch das Amtsgericht Dieburg im Apri 2008 Strafbefehl gegen Wolf, weil dieser durch das Verbreiten eines Videos den Holocaust öffentlich geleugnet und darin zudem Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen gezeigt hatte. In dem Film, den Patrick Wolf unter dem Pseudonym »Schlitzer 888« auf der Videoplattform »youtube« ins Internet gestellt hatte, waren Bilder aus Wolfs Wohnug Münster zu sehen, die Wände dekoriert mit Hakenkreuzen und SS-Runen. Dazu lief das Lied »Giftgas« der Kasseler Rechtsrock-Gruppe »Kommando Freisler«, in welchem der Holocaust als Lüge bezeichnet wird. Das kostete Wolf 70 Tagessätze á 40 Euro.

Es war nicht das letzte Urteil gegen Wolf. Im Februar 2009 wurde er vom Amtsgericht Friedberg wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt, nachdem er in einer Disco einen Mann geschlagen hatte, der zuvor Wolfs Frau belästigt und geschlagen hatte. Knapp vier Monate später verurteilte das Amtsgericht Büdingen ihn zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, wieder wegen Körperverletzung. Im September 2010 befand ihn das Amtsgericht Nidda der gefährlichen Körperverletzung für schuldig und verurteilte Wolf zu einer siebenmonatigen Haftstrafe auf Bewährung – in beiden Fällen kamen mehrjährige Bewährungszeiten hinzu.

Wenn man sich das alles vor Augen führt, so der Vorsitzende Richter Steinbach, »dann erkennt man, dass Sie zwei offene Bewährungen hatten, als es zu den Vorfällen kam, die hier verhandelt werden.Wolf sitzt nach Widerruf seiner Bewährung seit Mitte März im Gefängnis. Der Prozess wird fortgesetzt.

 

 © Wetterauer Zeitung 31.10.2012

 

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