Antifa-BI-Vorsitzender auf Facebook bedroht
Er müsse sich „nicht wundern, wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt, weil ein bisschen zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde“. So war es zu lesen auf Facebook. Als Verfasser wird der Rechtsextreme Patrick W. aus Echzell genannt. Die Mitteilung wurde am Mittwoch auf der Seite eines anderen Facebook Teilnehmers gepostet. Ausdrucke der Seite liegen der FR vor.
Der, der sich nicht wundern soll, ist Andreas B., Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa-BI) Wetterau. Außerdem wurde dessen Adresse veröffentlicht nebst dem Hinweis: „Die Handy-Nummer könnt ihr auch haben, um mal etwas Terror zu machen.“ Andreas B. hat Anzeige erstattet.
Die Wetterauer Polizei habe Ermittlungen wegen Bedrohung aufgenommen, bestätigt diese auf FR-Anfrage. „Wir müssen nun zunächst prüfen, ob diese Einträge tatsächlich auf Herrn W. zurückgehen und von welchem Computer aus sie erfolgt sind“, sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Dies sei in Bezug auf Facebook allerdings nicht ganz einfach, Spezialisten seien eingeschaltet. Außerdem zu klären sei, ob der Inhalt einen Straftatbestand darstelle.
Auf besagter Facebook-Seite erschien auch ein Foto, auf dem Andreas B. zu sehen ist, wie er einen Vortrag in der Berufsschule in Bad Nauheim hält. Das war am Dienstag. Die Themen: Codes und Zeichen der Rechtsextremen und deren Umtriebe in der Wetterau. Dabei ging es auch um Patrick W., der als Hauptfigur der „Old Brothers“ gilt und in seiner Hofreite nicht nur Tattoos und Piercings sticht, sondern in der Vergangenheit auch durch „Gaskammer-Partys“, T-Shirts mit rassistischen Aufdrucken, Nazi-Parolen grölende Gäste und sonstige Ausfälle aufgefallen ist.
Und genau das wollten offenbar viele der etwa 40 Schüler, vor denen B. während einer Aktionswoche gegen Rassismus sprach, nicht wahrhaben.
Viele Schüler finden das alles gar nicht so schlimm
Mehr als die Hälfte, sagt B., hätten Patrick W., der aufgrund eines Verfahrens wegen des Verdachts auf Drogenhandel eine elektronische Fußfessel am Knöchel trägt, nach dem Vortrag verteidigt, nach dem Motto: „Das ist doch alles gar nicht so schlimm, das wird bloß übertrieben dargestellt.“
Andreas Stolz, Leiter der Berufsschule, die Mitglied des Bundesprojekts „Schule ohne Rassismus“ ist, bedauert die Vorkommnisse. Es sei bekannt, dass Schüler Kontakt zur Old-Brothers-Szene hätten, die die Jugend mit Partys, Alkohol und Drogen locke. „Da wollen und müssen wir gegensteuern, jetzt noch mehr.“
© Frankfurter Rundschau 2012