fluter. – »Braune Ortschaften?«

Abgeschiedenheit und Nähe machen die Provinz für Nazis attraktiv 

Dörfer sind anders als Städte. Auf dem Land kennt meist jeder jeden und so weiß man, wenn der ältere Nachbar, die freundliche Frau an der Edekakasse oder der beliebte Rechtsanwalt rechtsextreme Meinungen und rassistische Vorurteile haben – nur gesprochen wird meist wenig darüber. „Rechtsextremes Gedankengut wird von einer schweigenden, eher konservativ denkenden Mehrheit geduldet und niemand so schnell aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, nur weil er ein ‚bisschen‘ anders denkt als die Masse“, sagt Thomas Alber, Koordinator des Lokalen-Aktionsplans „Toleranz fördern Kompetenz stärken“ (LAP) in den hessischen Kommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim. Es sind Orte, in denen sich Menschen gegen rechtsextremes Gedankengut wehren. „Und das schon vor Bekanntwerden der NSU-Terrorzelle“, wie Alber betont.

Das Spektrum rechtsextremer Erscheinungsformen wird zunehmend unüberschaubarer – vor allem auf dem Land. Dort können sich Neonazis ungestörter als in der Stadt bewegen: Über soziale Arbeit gehen sie auf Stimmenfang, treten als Kümmerer auf. Sie reden ganz offen an Stammtischen mit, in Elternbeiräten, Sportclubs oder Vereinen. Schritt für Schritt entstehen so rechtsextrem dominierte Regionen. „Nicht selten sind selbst Bürgermeister, Stadtverordnete und Polizeibeamte über verwandtschaftliche Beziehungen mit dem Umfeld von rechtsextremen Personen verbunden. Da gibt es eine Hemmschwelle, jemanden anzuzeigen“, sagt Albers.

Die Legende vom Schlitzer
Der Verfassungsschutz geht in seinem Bericht für das Jahr 2010 davon aus, dass von den 1.450 Rechtsextremisten in Hessen 300 NPD-Mitglieder und 250 Neonazis sind. Gewaltbereit seien etwa 400 Szene-Anhänger. Die Hälfte der hessischen NPD-Kommunalparlamentarier kommt aus der Wetterau, aus Gemeinden wie Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim. Zudem leben in der Region Anhänger der „Autonomen Nationalisten“ und rechtsextreme Metal-Fans. Viele von ihnen verfügen in den Gemeinden über ein großes Netzwerk an sozialen Kontakten – wie beispielsweise in Echzell.

Dort hat 2007 eine rechtsextreme Gruppe namens „Old Brothers“ ihren Stützpunkt aufgebaut. Ihr Anführer ist Patrick W, der mit seinem Beinamen „Schlitzer“ die Legende pflegt, er habe einen Migranten mit dem Messer verletzt. W. gilt als eine der Hauptfiguren der rechtsextremen Szene. Vor seinem Umzug nach Echzell betrieb er einen Tätowierladen in Wölfersheim, den er auf Druck der Gemeinde räumen musste. Daraufhin verlagerte er seine Tätigkeit in die Hofreite, sein „Old Brother’s Castle“ in Echzell.

Für die Anwohner war die Nachbarschaft mit W. in den ersten Jahren entspannt. Dann kam es zum Streit. Jedoch nicht wegen seiner Gesinnung, sondern wegen seiner Partys. Gefeiert wurde in der Scheune oder auf dem Hof im „Brausebad“, einem kleinen Diskoraum, in dem blanke Duschköpfe von der Decke hingen, aus denen nachts weißer Partynebel waberte. „Vergasung“ als Partygag: ein Highlight seiner so genannten „Kammerparties“, zu denen W. über das Soziale Netzwerk „Wer kennt wen“ einlud. Nachts grölten Gäste der Parties Nazi-Gesänge auf der Straße, Kampfhunde kläfften, es kam zu Sachbeschädigungen. Als der rechte Mob einen Nachbarn verprügelte, entkleidete und das Video auf youtube stellte, kamen die Medien nach Echzell – und einige Bürger wurden aktiv. Das war 2009.

Echzells „Grätsche“ gegen Rechts
Der Vorfall in Echzell war die Geburtsstunde der Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“ – heute ein Zusammenschluss aus etwa 70 Wetterauer Bürgern. 2011 wurde der Verein für ihr Projekt „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“, einem Festival mit Sport und Musik gegen Rechtsextremismus, vom Hessischen Jugendring mit dem Innovationsförderpreis ausgezeichnet. Heute leitet die Bürgerinitiative das Büro des vom Bund geförderten lokalen Aktionsplans „Toleranz fördern Kompetenz stärken“. „Wir haben einen freien Träger als Koordinierungsstelle gewählt, um näher an die Zivilgesellschaft zu rücken und sie besser mit den Behörden zu verzahnen“, sagt Koordinator Alber, der auch das Ordnungsamt in der Gemeinde Echzell leitet.

Den Aktiven vom Aktionsplan geht es nicht nur um die Jugend, die sie von der rechtsextremen Szene fernhalten wollen, sondern vor allem auch um die Erwachsenen. Denn das braune Gedankengut kommt meist von ihnen, heißt es in zwei aktuellen LAP-Studien. Es nütze wenig, in der Schule aufzuklären, wenn am Abendbrottisch Rassismus gepredigt werde, sagt Albers: „Wir haben hier ein Erwachsenen- und kein Jugendproblem.“ Der verdeckte Rassismus und Rechtsextremismus sei der ideale Nährboden für Gruppen wie die Old Brothers.

So habe es im Ort über den „Schlitzer“ geheißen: „Der ist doch harmlos, ein dummer Bub“, sagt Sabrina Lauster von der „Grätsche gegen Rechtsaußen“. Mit ihrer Meinung hätten sie als Bürgerinitiative keinen einfachen Stand in der Bevölkerung. „Bis heute bemühen wir uns, der Dorfgemeinschaft zu zeigen, dass wir auch zur Vereinslandschaft gehören“, sagt Lauster. Die Toleranz für die Gruppe der „Old Brothers“ sei jedoch immer noch größer als die gegen Rechtsextremismus, sagt Alber. „Ich kann im Moment noch nicht sagen, dass sich hier eine nachhaltige Wandlung vollzogen hätte.“

Nazis im Schafspelz
Neonazi W. wurde im Sommer vergangenen Jahres verhaftet, weil die Polizei bei einer Razzia vier Kilo Amphetamin bei ihm gefunden hatte. Im November kam er aus der U-Haft frei und wartet jetzt von einer elektronischen Fußfessel bewacht auf seinen Prozess. Auch die Medien waren wieder da, als die „Old Brothers“ seine Rückkehr feierten. Es war die gleiche Zeit, als die Machenschaften der Zwickauer Neonazis ans Licht kamen. Die meisten Echzeller sehen in ihm jetzt einen Kriminellen. „Deshalb wird er jetzt von der Dorfgemeinschaft abgelehnt, sein Rechtsextremismus wird dabei gerne galant übergangen“, sagt Alber. Dabei ist W. nicht nur kriminell. Er ist eben auch rechtsextrem, wenn auch ohne eindeutige politische Agenda. Für viele Jugendliche bleibt er eine Mischung aus großer Bruder, Sozialarbeiter und Feierbiest.

Ein Problem seien eben die großen Entfernungen zu alternativen Jugendeinrichtungen, sagt Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau. „Dieser Zustand wird von Neonazis ausgenutzt, um orientierungslose Jugendliche mit eigenen Freizeitangeboten zu werben.“ Der beste Schutz gegen Rechtsextremismus sei daher eine vitale Dorfgemeinschaft, ein Leben in Vielfalt, erklärt Alber. Denn das Problem erledige sich nicht von allein, auch wenn es um W’s Hofreite in der Wiesengasse in letzter Zeit ruhiger geworden ist.

 

© Wetterauer Zeitung 13.03.2012   Bild: J Fry / FreeDigitalPhotos.net

 

Wetterauer Zeitung – »Schlitzer« Patrick Wolf ist seit Montag wieder in Haft

Patrick Wolf sitzt seit Montag wieder im Gefängnis, nachdem seine beiden Bewährungsstrafen widerrufen worden sind. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Gießen am Dienstag auf Nachfrage der WZ mit.

Der Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung sei im Hinblick auf das größere Betäubungsmittel-Verfahren erfolgt, das anhängig sei, informierte Sprecherin Ute Sehlbach-Schellenberg. Der sogenannte Schlitzer war Anfang Juli 2011 festgenommen worden, weil er mit fünf Kilo Drogen im Gepäck erwischt worden war. Mitte November war der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Seither musste der 26-Jährige eine Fußfessel tragen.
Diese Sicherheitsvorkehrung ist nun nicht mehr nötig. Der 26-Jährige habe sich am Montag freiwillig gestellt, nachdem er »entsprechend geladen« worden war, sagte Sehlbach-Schellenberg.

Die beiden Freiheitsstrafen, die gegen den Gettenauer verhängt und zur Bewährung ausgesetzt worden waren, stammen aus den Jahren 2009 und 2010. Im Juni 2009 war Patrick Wolf vor dem Amtsgericht Büdingen wegen Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. »Sieben Monate« lautete das Urteil im September 2010: Damals musste er sich vor dem Amtsgericht Nidda wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Außer dem Verfahren wegen des mutmaßlichen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sind gegen den »Schlitzer« noch Verfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung, der Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr offen.

© Wetterauer Zeitung 13.03.2012


Wetterauer Zeitung – »Bedrohung im strafrechtlichen Sinn prüfen«

Nach Kritik: Polizeisprecher Reinemer konkretisiert seine Aussage zu Bombendrohung gegen Antifa-BI-Vorsitzenden

Nach der Bombendrohung gegen den Antifa-BI-Vorsitzenden konkretisiert Polizeisprecher Jörg Reinemer, was er mit der Aussage gemeint hat: Es werde gegen Unbekannt ermittelt, aber auch geprüft, ob der Wortlaut überhaupt eine Bedrohung darstelle. Er habe sich auf die rein strafrechtliche Bedeutung des Wortlauts bezogen, und die unterscheide sich von dem, was man umgangssprachlich unter Bedrohung  verstehe, sagt Reinemer. Auf Facebook war gepostet worden, der Antifa-BI-Referent werde sich »wundern, wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt, weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde«. 

Uwe Hartwig, der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Auschwitz, hatte gerügt, Reinemers Aussage sei »eine Katastrophe«, weil sie den Eindruck vermittele, die Friedberger Polizei sei sich »der Bedrohung, die von den Wetterauer Rechtsextremisten schon lange ausgeht«, nicht sicher. Manfred Linss, Vize-Vorsitzender vom Echzeller Verein Grätsche gegen Rechtsaußen, nennt es »ungeheuerlich«, eine derartige Bedrohung zunächst daraufhin zu prüfen, »ob sie denn überhaupt eine Bedrohung >im Sinne unseres Rechtsstaates< ist«. Auch der GEW-Kreisvorsitzende Peter Zeichner sagt, es sei »nicht nachzuvollziehen, dass es nach der Aussage des Pressesprechers der Polizei noch eine langwierige Einschätzungsfrage ist, ob der Wortlaut einer indirekten Bombendrohung im Internet eine reale Bedrohung darstellen kann. Angesichts der bundesweiten Mordserie der Terrororganisation NSU in der Vergangenheit sowie der in der Wetterau seit Langem bekannten rechtsextremen Umtriebe kann man solche Drohgebärden nicht länger bagatellisieren.« »Wir nehmen diese Anzeige sehr ernst«, betont Reinemer. »Wir haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen des Verdachts der Bedrohung, und diese umfangreichen Ermittlungen dauern an.« Der im Internet aufgetauchte Post könnte auch als Nötigung gewertet werden oder als öffentliche Aufforderung zu Straftaten. »Diese rechtliche Würdigung obliegt im übrigen der Staatsanwaltschaft«, erklärt der Polizeisprecher.

»Wir sind an gesetzliche Vorgaben gebunden, und das heißt, dass wir auch prüfen, ob ein Straftatbestand vorliegt.« Dies betreffe ausschließlich den strafrechtlichen Sinn des Wortlauts, »auf keinen Fall den umgangssprachlichen«. Natürlich fühle sich der Mann bedroht, »das ist verständlich und keine Frage«. Zu klären sei jedoch, ob der Tatbestand der Bedrohung erfüllt werde, »das muss man voneinander trennen«. Dies bedeute aber nicht, einen solchen Sachverhalt zu verharmlosen.

Das Strafgesetzbuch versteht unter Bedrohung, »einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens« zu bedrohen. Die dafür vorgesehene Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr droht auch demjenigen, »wer wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, dass die Verwirklichung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bevorstehe«.

Man behalte den Fall genau im Auge, unterstreicht Reinemer, und werde gegebenenfalls, auch in Absprache mit dem Anzeigenerstatter, weitere Maßnahmen treffen. Ermittelt werde auch »im Bereich des Internetforums« Facebook, wo die Drohung aufgetaucht war. Zu klären sei unter anderem, ob der Post tatsächlich vom »Schlitzer« stammt. Der 25-Jährige aus Echzell hatte dies gegenüber der WZ abgestritten. 

 

© Wetterauer Zeitung 13.03.2012

 

Frankfurter Rundschau – Bedrohung unterschätzt

Antifaschisten kritisieren Polizei

Eine „Tendenz zur politischen Einäugigkeit“ wirft der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Auschwitz, Uwe Hartwig, der Wetterauer Polizei in einem Schreiben an Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) vor. Hartwig bezieht sich auf eine Aussage der Sprechers der Wetterauer Polizei Jörg Reinemer nach einer Bombendrohung gegen den Vorsitzenden der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau Andreas Balser. Reinemer hatte gesagt, es müsse geprüft werden, ob der Wortlaut überhaupt eine Bedrohung darstelle.

„Nach zehn faschistisch motivierten Mordtaten in der Bundesrepublik und nach schon lange bekannten Einschüchterungen von Aktivisten gegen Rechtsextremismus in der Wetterau ist die Mitteilung des Polizeisprechers eine Katastrophe“, meint Hartwig. Der Echzeller Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ hat sich dieser Kritik angeschlossen. Auch der Vorsitzende des GEW-Kreisverbandes Friedberg, Peter Zeichner, mahnt, „solche Drohgebärden nicht länger zu bagatellisieren“.

Die Polizei nehme die Drohung durchaus ernst, betont Reinemer, sie müsse sie aber strafrechtlich prüfen.

© Frankfurter Rundschau 13.03.2012

Wetterauer Zeitung – Hartwig: Aussage der Polizei zu Drohung ist »eine Katastrophe«

An den hessischen Innenminister Boris Rhein hat sich der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Auschwitz, Uwe Hartwig (OberMörlen) gewandt. Im kürzlich erschienen WZ-Artikel über die Drohung im Internet gegen den Wetterauer Antifa-BI-Vorsitzenden war ihm ein Zitat von Polizei-Pressesprecher Jörg Reinemer sauer aufgestoßen: »Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt, prüft aber auch, ob der Wortlaut überhaupt eine Bedrohung darstellt.

« Hartwig: »So wie der Satz singulär steht, vermittelt er den Eindruck, dass die Friedberger Polizei sich der Bedrohung, die von den Wetterauer Rechtsextremisten schon lange ausgeht, nicht sicher ist.

« In einem Internet-Forum hatte gestanden, der Antifa-BI-Chef möge sich nicht wundern, wenn er mit seinem Auto in die Luft flöge, weil ein wenig zu viel Sprengstoff darunter deponiert wurde.

Hartwig: »Das Muster einer solchen Formulierung ist bekannt: Man kündigt das beschriebene Ereignis nicht an, man fordert auch nicht dazu auf. Nicht selten findet sich jedoch prompt ein Brandstifter, und der Biedermann ist fein raus.«

Die Mitteilung des Polizeisprechers sei »eine Katastrophe« und man frage sich nach der Wahrnehmung der Beamten. »Die Tendenz zur politischen Einäugigkeit scheint vorzuliegen«, kritisiert Hartwig weiter. »Für eine Information über Ihre Einschätzung des Vorganges würde ich mich freuen,« endet der Brief Hartwigs an Rhein.

 

© Wetterauer Zeitung 12.03.2012

 

Brief der Lagergemeinschaft Auschwitz an Boris Rhein

Der am 7. März 2012 erschienene Artikel der Wetterauer Zeitung „Bombendrohung gegen Antifa-BI-Vorsitzenden“ veranlasste die Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V. zu einem Brief an den amtierenden Innenminister Boris Rhein. Mit freundlicher Zustimmung der  Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V. veröffentlichen wir diesen Brief mit der Bitte an die Presse dies ebenfalls zu tun.   

„Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,

die Aussage des Friedberger Polizeisprechers im Zusammenhang mit der Bombendrohung gegen den Vorsitzenden der Antifa-BI Fbg.e.V. hat Herrn Uwe Hartwig von der Lagergemeinschaft Ausschwitz zu beiliegendem Brief an den Hess. Staatsminister Rhein veranlasst, den er an das Ministerium des Inneren und für Sport geschickt hat.Zitat des  Sprechers der Polizei, Jörg Reinemer: „Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt, prüft aber auch, ob der Wortlaut überhaupt eine Bedrohung darstellt“

Der Verein Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. stimmt dem Inhalt des Briefes in vollem Umfang zu und bitte um eine Veröffentlichung – die Genehmigung von Herrn Hartwig hierzu entnehmen Sie bitte am Ende dieser Mail.Des Weiteren fordern wir die ermittelnden Behörden mit Nachdruck dazu auf den Urheber der Bedrohung zu ermitteln und ein entsprechendes Strafverfahren einzuleiten.

Wie kann es sein dass eine derartige Bedrohung zunächst darauf geprüft wird ob sie denn überhaupt eine Bedrohung „im Sinne unseres Rechtsstaates“ ist – wir finden das ungeheuerlich!

Hauptverdächtiger ist offensichtlich P.W. aus Echzell. Würden die noch offenen Verfahren gegen P.W. endlich zur Verhandlung kommen würde er wohl die nächsten Jahre von der Bildfläche verschwinden. Hier  tut sich  die  zuständige Staatsanwaltschaft wohl  auch schwer . . . . 

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Linss

für den Vorstand GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN e.V.

Verein zur Förderung Demokratischen Bewusstseins

Postfach 1102

61207 Echzell“

 

Wortlaut des Briefes an Boris Rhein: 

Aussage des Polizeisprechers in Friedberg zu Ermittlungen wg. Bedrohung durch Rechtsextremisten

Sehr geehrter Herr Staatsminister Rhein,

dem Artikel in der Wetterauer Zeitung von heute

http://www.wetterauer-zeitung.de/Home/Kreis/Staedte-und-Gemeinden/Echzell/Artikel,-Bombendrohung-gegen-Antifa-BI-Vorsitzenden-arid,325724regid,3puid,1pageid,78.html entnehme ich den Satz: „Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt, prüft aber auch, ob der Wortlaut überhaupt eine Bedrohung darstellt, sagte Sprecher Jörg Reinemer.“

Dass die Polizei bei eingehenden Anzeigen prüft, ob tatsächlich ein Straftatbestand vorliegt, ist wohl Alltagsgeschäft. Wenn diese Vorgehensweise aber ausdrücklich gegenüber der Presse erwähnt wird, horcht man auf. So wie der Satz singulär steht, vermittelt er den Eindruck, dass die Friedberger Polizei sich der Bedrohung, die von den Wetterauer Rechtsextremisten schon lange ausgeht, nicht sicher ist. 

Im Internet war der Satz zu lesen, der Sprecher einer antifaschistischen Initiative möge sich nicht wundern, wenn er mit seinem Auto in die Luft flöge, weil ein wenig zu viel Sprengstoff unter seinem Auto deponiert wurde.

Das Muster einer solchen Formulierung ist bekannt: man kündigt das beschriebene Ereignis nicht an, man fordert auch nicht dazu auf. Nicht selten findet sich jedoch prompt ein Brandstifter und der Biedermann ist fein raus.

Nach zehn faschistisch motivierten Morden in der Bundesrepublik und nach schon lange bekannten Einschüchterungen von Aktivisten gegen Rechtsextremismus in der Wetterau ist die Mitteilung des Polizeisprechers eine Katastrophe und man fragt sich nach der Wahrnehmung der Beamtinnen und Beamten.

Möglicherweise sollten die parlamentarischen Ausschüsse zu den Nazi-Morden auch die Wetterauer Polizei sich zum Thema machen. Die Tendenz zur politischen Einäugigkeit scheint vorzuliegen.

Vielleicht reicht aber auch eine gezielte Fortbildung über das Gewaltpotential der Neonazis und Rechtsextremisten.

Auf alle Fälle sollte die fürsorgliche Aufsicht greifen.

Für eine Information über Ihre Einschätzung des Vorganges würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Hartwig

Vorsitzender Lagergemeinschaft Auschwitz

 

 

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Frankfurter Rundschau – Drohung oder Nötigung auf Facebook

Prozess gegen Rechtsextremist vertagt 

„Er müsse sich „nicht wundern, wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt, weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde“. So war es Mitte Februar zu lesen auf Facebook. Als Verfasser wurde der Rechtsextremist Patrick W. aus Echzell genannt. Adressat der Drohung: Andreas B., Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa-BI). Neben seiner Adresse war der Hinweis gepostet: „Die Handynummer könnt ihr auch haben, um mal etwas Terror zu machen.“ B. erstattete Anzeige.

Die Ermittlungen seien noch am Laufen, sagte Polizei-Sprecher Jörg Reinemer der FR. „Es wird noch geprüft, ob diese Einträge tatsächlich von W. stammen.“ Außerdem müsse geklärt werden, „ob der Inhalt eine Drohung darstellt oder doch nur eine Nötigung“. Auch der Straftatbestand „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ käme in Betracht.

In einem anderen Fall hätte sich W. nächsten Dienstag vor dem Amtsgericht Büdingen verantworten müssen. Mit dem Auto soll er auf den Sohn einer Nachbarin losgefahren sein. Doch: „Der Termin ist aufgehoben“, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Gießen der FR mit. „Eine neue Terminierung steht noch nicht fest.“ Weitere Verfahren wegen Körperverletzung und Volksverhetzung sind anhängig. Zudem trägt W. eine elektronische Fußfessel, weil Fahnder fast fünf Kilo Drogen bei ihm fanden.

© Frankfurter Rundschau 10.03.2012

Wetterauer Zeitung – »Grätsche gegen Rechtsaußen« fordert Aufklärung

»Eine Bombendrohung ist kein Kavaliersdelikt. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Bedrohung, die strafrechtliche Konsequenzen haben muss«, äußern sich die Mitglieder des Vereins »Grätsche gegen Rechtsaußen« zu einem Bericht in der gestrigen WZ, laut dem sich der Vorsitzende der Antifaschistischen Bildungsinitiative durch einen Kommentar im Internet bedroht fühlt. Urheber soll der sogenannte Schlitzer sein, der die Vorwürfe jedoch bestreitet. »Ich habe das nicht geschrieben«, sagte der polizeibekannte Rechtsextreme aus Echzell auf Anfrage. Auf einem Facebook-Account war Mitte Februar gepostet worden, der Antifa-BI-Referent werde sich »wundern wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt, weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde«. Geschrieben wurde das von einem Profil, das unter dem Namen »Patrick Paul Wolf« angemeldet ist.

Die »Grätsche gegen Rechtsaußen« erklärt in ihrer Pressemitteilung, sie zeige sich mit dem Antifa-BI-Vorsitzenden solidarisch und fordere »alle Demokraten, die zuständigen Behörden sowie die Politiker auf, dies ebenfalls zu tun.« Weiterhin fordere man Polizei und Staatsanwaltschaft auf, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um den Urheber der Bedrohung ausfindig zu machen.«

© Wetterauer Zeitung 09.03.2012

 

Wetterauer Zeitung – Bombendrohung gegen Antifa-BI-Vorsitzenden

Der Vorsitzende der Antifaschistischen Bildungsinitiative fühlt sich durch einen Kommentar im Internet bedroht. Urheber soll der »Schlitzer« sein. Der 25-Jährige bestreitet die Vorwürfe: »Ich habe das nicht geschrieben«, sagte der polizeibekannte Rechtsextreme aus Echzell der WZ.

Auf einem Facebook-Account war Mitte Februar gepostet worden, der Antifa-BI-Referent werde sich »wundern wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde«. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt, prüft aber auch, ob der Wortlaut überhaupt eine Bedrohung darstellt, sagte Sprecher Jörg Reinemer.

Im Internet wurde auch die Adresse des Mannes veröffentlicht, samt dem Hinweis: »Handy Nummer könnt ihr auch haben um etwas Terror zu machen.« Einen Tag zuvor hatte der Antifa-BI-Vorsitzende einen Vortrag an einer Berufsschule in Bad Nauheim gehalten. Dabei ging es auch um Patrick Wolf alias »Schlitzer« und seine »Old Brothers«. Einige Schüler hätten die Gruppe verteidigt, erinnert sich der Referent, hätten argumentiert, es sei alles gar nicht so schlimm, werde nur übertrieben dargestellt. Ähnlich ging es am darauffolgenden Tag auf einer Facebook-Seite weiter. Auf den Kommentar »Diese vollidioten keine ahnung von der materie« folgte die Drohung gegen den Referenten, geschrieben von einem Profil, das unter dem Namen »Patrick Paul Wolf« angemeldet ist.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagte der 25-Jährige gestern: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass das von meinem Profil kam. Ich war das nicht.« Er habe den Post nicht einmal gelesen. Wer es stattdessen gewesen sein könnte, wisse er nicht. »Von mir haben viel zu viele Leute die Passwörter«, weil sein Rechner gehackt worden sei. Davon abgesehen, habe »sowieso jeder« die Adresse und Telefonnummer des Mannes.

Der Antifa-BI-Vorsitzende nimmt die Drohung ernst: »Weil es so viele Mitläufer gibt. Dass jemand auf dumme Gedanken kommen könnte, ist kein gutes Gefühl.« Er und seine Mitstreiter wollten ihre Vorträge nun verstärken. Sie seien eins der besten Mittel gegen Extremismus, denn »Bildung und Informationen helfen«. Gerüchte hingegen seien schwerer zu knacken, weil manche extremen Gruppierungen sektenähnliche Strukturen aufwiesen – »die Gegenargumentationen sind dann nicht mehr rational«. Einige könne man durch Vorträge inhaltlich überzeugen, »aber nicht alle«. Weil die Referenten altersmäßig nahe an den Schülern seien, könne man gut mit ihnen diskutieren. Das halte er auch für den »Grund für solche heftigen Reaktionen«, wie sie nun im Internet aufgetaucht sind. 

© Wetterauer Zeitung 07.03.2012

 

Sprengstoffdrohung auf Facebook gegen antifaschistischen Aktivisten aus Friedberg

Und wieder ist Patrick W. aus Echzell in den Schlagzeilen. Diesmal soll er, laut Frankfurter Rundschau, einen Referenten der Antifachistischen Bildungs-Initiative e.V. aus Friedberg mit einer Bombe unter dessen Fahrzeug gedroht haben. Das Ganze soll sich auf Facebook ereignet haben. Dort wurde außerdem ein Bild des Referenten sowie dessen Adresse und Handynummer veröffentlich, gefolgt von dem Aufruf, diesen einem „Telefonterror“ zu unterziehen.

Diese Vorkommnisse veranlassen uns zu folgendem Statement:

In Anbetracht der Terroranschläge durch die Zwickauer Zelle, die vielen Menschen den Tod, Familien großes Unglück und dem Staat in dem solche Vorkommnisse möglich sind, erheblichen Schaden, zugefügt hat, ist eine Bombendrohung kein „Kavaliersdelikt“. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Bedrohung, die strafrechtliche Konsequenzen haben muss.

Wir, die „Grätsche gegen Rechtsaussen e.V.“, erklären uns mit Andreas B. und dessen Arbeit im Wetteraukreis gegen Rechts, solidarisch und fordern alle Demokraten, die zuständigen Behörden sowie die Politiker auf, dies ebenfalls zu tun. Weiterhin fordern wir die Strafverfolgungsbehörden auf, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, den oder die Urheber der Bedrohung ausfindig zu machen und ihrer Strafe zuzuführen.

Gestern war es ein Nachbar, der sich nur über den Krach mitten in der Nacht beschweren wollte und verprügelt wurde, heute ist es Andreas B., der mit einer Bombe bedroht wird,weil er engagiert ohne Angst gegen Rechtsextremismus vorgeht, und morgen?

Die Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. setzt sich seit 2009 gegen die Ausweitung der rechtsextremen Tendenzen in Echzell und Umgebung und für eine gut aufgeklärte Jugend ein. Der Verein freut sich über tatkräftige Unterstützung und Spenden. Interessierte können sich unter presse@graetsche-gegen-rechtsaussen.info melden.

Pressekontakt: Sabrina Lauster 0178/ 232 63 62

Im Falle einer Veröffentlichung freuen wir uns über eine kurze Nachricht.

GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN e.V.

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins

Postfach 1102

61207 Echzell

 

 

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